Klimabrief aus Honduras

In der Serie „Klimabriefe“ berichten Partner unserer Mitgliedsorganisationen aus verschiedenen Ländern der Welt über die spürbaren Folgen des Klimawandels in ihren Regionen. Sie erzählen, wie sie sich für den Klima- und Umweltschutz einsetzen, welche Erfolge sie erzielt haben und welchen Herausforderungen sie begegnen.

Schwere Überschwemmungen nach Hurrikan Iota. © CBM

Zwischen akuten Bedrohungen und langfristiger Anpassung

Zwischen akuten Bedrohungen und langfristiger Anpassung

Liebe Leser:innen,

mein Name ist Karen Pavon und ich bin die Landesdirektorin von CUSO in Honduras. Der jüngste Tropensturm Julia, der Mittelamerika im November heimsuchte, war nur das nächste Warnzeichen nach einer Reihe von Wirbelstürmen in den letzten Jahren. Im November 2020 trafen die Hurrikane Eta und Iota Honduras in weniger als 20 Tagen. Rund 3 Millionen Menschen waren von Hurrikan Eta und etwa 1,5 Millionen von Iota betroffen. Insgesamt wurden 199 der 298 Gemeinden des Landes durch die Hurrikane in Mitleidenschaft gezogen, davon 103 von beiden Stürmen. Eines können wir also mit Sicherheit sagen: Der Klimawandel ist in unserer Region real und seine negativen Auswirkungen sind in Honduras in vielerlei Hinsicht spürbar – nicht nur in Form von Wirbelstürmen, sondern auch durch Überschwemmungen aufgrund von extremen Regenfällen, Hitzewellen und Dürren. Starke Regenfälle führen in Verbindung mit der Abholzung der Wälder zu einer erhöhten Anzahl von Erdrutschen.

Die zunehmende Zahl klimabedingter extremer Wetterereignisse hat große negative Auswirkungen auf die Bevölkerung, insbesondere auf die am stärksten gefährdeten Gruppen und diejenigen, die in den ländlichen Gebieten unseres Landes leben und nur begrenzten Zugang zur Grundversorgung haben – vor allem, wenn Katastrophen auftreten. Honduras ist ein Land, dessen lokale Wirtschaft hauptsächlich auf der Landwirtschaft basiert. Die Auswirkungen des Klimawandels haben in den letzten Jahren große Ernteeinbußen bei den Landwirt:innen verursacht. Vor allem die ländlichen Gemeinden sehen sich mit großen Herausforderungen wie Wasserknappheit, Verschmutzung durch Überschwemmungen, hitzebedingten Krankheiten, Nahrungsmittelknappheit und zunehmender wirtschaftlicher Unsicherheit konfrontiert.

Die zunehmende Zahl klimabedingter extremer Wetterereignisse hat große negative Auswirkungen auf die Bevölkerung, insbesondere auf die am stärksten gefährdeten Gruppen.

Karen Pavon,
Landesdirektorin von CUSO in Honduras

Meine Organisation, CUSO International, ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die seit 2005 in Honduras tätig ist und sich auf den Aufbau einer integrativen Gesellschaft für Frauen und Mädchen konzentriert, indem sie die wirtschaftlichen Möglichkeiten verbessert und den Zugang zu Bildung und Gesundheit erleichtert. Um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und zu seiner Verlangsamung beizutragen, hat CUSO International begonnen, Projekte zur Anpassung an den Klimawandel umzusetzen. Die Projekte von CUSO konzentrieren sich nicht nur auf die Suche nach kurz- und mittelfristigen Lösungen, sondern auch auf die Sensibilisierung der Bevölkerung für natürliche Ressourcen, Ökosysteme, geeignete Wege zur Anpassung an das Klima und Umweltbildung: Beispielsweise wurden im Juni 2022 mit mehreren Gemeinden im Departement El Paraíso und Choluteca Aufforstungs- und Umweltbildungsmaßnahmen durchgeführt, an denen Vertreter:innen verschiedener Gemeindegruppen wie lokalen Produzent:innen, Gemeindevorsteher:innen sowie der lokalen Behörden und Basisorganisationen teilnahmen.

Schwere Überschwemmungen in Honduras nach den Wirbelstürmen Eta und Iota.
Schwere Überschwemmungen in Honduras nach den Wirbelstürmen Eta und Iota.

In Honduras kommt es durch den Klimawandel immer wieder zu extremen Wetterereignissen wie schweren Wirbelstürmen. Zuletzt sorgte Hurrikan Iota für schwere Überschwemmungen. © CBM

Workshop in Choluteca. Mitarbeiter:innen von CUSO beraten bei der Anpassung an Klimafolgen.
Workshop in Choluteca. Mitarbeiter:innen von CUSO beraten bei der Anpassung an Klimafolgen.

Mitarbeiter:innen von CUSO, der Partnerorganisation von CBM, beraten die Menschen in einem Workshop in Choluteca, Honduras zu Anpassungen an die Folgen des Klimawandels. © CBM

Olancho
Olancho

Wie hier in Olancho, Honduras besteht die Arbeit der Mitarbeiter:innen von CUSO auch darin, die Menschen durch partizipative Ansätze für natürliche Ressourcen und Ökosysteme zu sensibilisieren. © CBM

Wir brauchen auch die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft – nicht nur in Form von finanzieller oder technischer Hilfe – sondern vor allem durch die Verringerung der Emissionen in den Ländern, die den Klimawandel hauptsächlich verursachen.

Karen Pavon,
Landesdirektorin von CUSO in Honduras

Über Strategien für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel hinaus müssen wir auch der Tatsache ins Auge sehen, dass die Region in den nächsten Jahren immer mehr extreme Wetterereignisse erleben wird. Daher bildet das Katastrophenrisikomanagement eine weitere Säule unserer Arbeit zur Unterstützung vulnerabler Gemeinschaften: CUSO ist an einem länderübergreifenden Konsortium zur Stärkung der Umsetzung des „Sendai Framework on Disaster Risk Reduction“ in Zentralamerika beteiligt, wobei der Schwerpunkt auf einer inklusiven Katastrophenrisikominderung auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene liegt.

Alle Aktivitäten der CUSO sind auf die nationalen Pläne abgestimmt und werden in Zusammenarbeit mit der Regierung und den zuständigen Ministerien durchgeführt. Wir sehen zwar viele Fortschritte auf verschiedenen Ebenen in der Verwaltung und der Regierung, aber es muss noch mehr getan werden, um sicherzustellen, dass unser Land auf kommende Katastrophen vorbereitet ist und sich so weit wie möglich an das sich verändernde globale Klima anpassen kann.

Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um dieses Ziel zu erreichen, und Honduras allein wird dies nicht schaffen können. Wir brauchen stärkere Allianzen in unserer Region, aber auch auf globaler Ebene. Und wir brauchen auch die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft – nicht nur in Form von finanzieller oder technischer Hilfe – sondern vor allem durch die Verringerung der Emissionen in den Ländern, die den Klimawandel hauptsächlich verursachen. Andernfalls werden wir das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens nicht erreichen können und können davon ausgehen, dass es in unserem Land künftig noch mehr extreme Wetterereignisse geben wird.

Mit freundlichen Grüßen

Karen Pavon

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