Nach dem Konflikt, vor dem Regen:
Landwirt:innen im Angesicht des Klimawandels im Südsudan

Klimabrief aus dem Südsudan

Die Klimakrise bedroht weltweit Lebensgrundlagen – am stärksten dort, wo Menschen ohnehin unter schwierigen Bedingungen leben. Mit unseren Klimabriefen geben wir Betroffenen eine Stimme und zeigen auf, wie gemeinsames Handeln wirkt: In ausgewählten Beispielen berichten wir über Projekte, die Menschen im Globalen Süden dabei unterstützen, den Folgen extremer Naturereignisse zu begegnen und ihre Lebensräume nachhaltig zu schützen.

In dem folgenden Klimabrief aus dem Südsudan berichten Landwirt:innen, die von ACROSS im Bundesstaat Zentral-Äquatoria, Südsudan unterstützt werden.

Wir, die Landwirte, sind besorgt, was bald geschehen könnte, angesichts der sich verschlechternden Klimabedingungen!

Landwirt Simon Josea Bansuk, 58 Jahre

Liebe Leser:innen,

der Klimawandel im Südsudan, insbesondere in der Region Äquatoria, ist kein Zukunftsthema – er ist eine akute Krise, die die fragile Nachkriegssituation zusätzlich verschärft.

Jahre des Konflikts haben die Infrastruktur zerstört, Gemeinschaften vertrieben und lokale Institutionen geschwächt, die uns bei der Anpassung helfen könnten. Als die Kämpfe in unserer Region ausbrachen, flohen viele von uns in Nachbarländer. Hilfsorganisationen versorgten uns mit Nahrungsmitteln, konnten jedoch bald nicht mehr alle mit täglichen Rationen unterstützen – also kehrten wir zurück in unsere Heimat. Doch nun ist das Land, das wir einst bebauten, überflutet oder zu trocken, um es zu bepflanzen. Konflikt und Klimawandel machen den Wiederaufbau extrem schwierig – wir müssen unser Leben inmitten zweier Krisen neu aufbauen.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind jeden Tag spürbar. Entweder herrscht zu wenig Regen und Hitze führt zu Dürren und Bodenerosion, oder es gibt übermäßige Regenfälle, die schwere Überschwemmungen verursachen. Sowohl Dürre als auch Überschwemmung töten Tiere, zerstören Ernten und bringen Schädlinge und Krankheiten mit sich.

Wir überleben oft nur mit einer Mahlzeit aus Bohnen und Brot am Tag – und selbst diese ist inzwischen schwer zu bekommen, da die Nahrungsmittel in der Region knapp sind. Allein in Kajo-Keji County kämpfen über 15.700 Binnenvertriebene und 39.000 Rückkehrende darum, ihre Lebensgrundlagen inmitten von Dürren und Überschwemmungen wieder aufzubauen. Viele Familien können ihre Grundbedürfnisse kaum decken: Sie lassen Mahlzeiten aus, essen weniger oder sind auf Hilfe anderer angewiesen. Die Lage ist ernst und könnte sich weiter verschlechtern, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden, da die klimatischen Bedingungen weiterhin unbeständig bleiben und die Ernährungsunsicherheit voraussichtlich anhalten wird.

Als Landwirt:innen fordern wir die Regierungen auf, dringend Maßnahmen zur Reduzierung der CO₂-Emissionen zu ergreifen, die Nutzung erneuerbarer Energien zu fördern und Umwelt- und Naturschutzpolitik umzusetzen, um die biologische Vielfalt zu bewahren und durch nachhaltige Landnutzungspraktiken unsere Lebensgrundlagen zu sichern.

Die CBM und ACROSS unterstützten im Rahmen des vom BMZ finanzierten Projekts Multisektoraler, inklusiver Resilienzzaufbau für Binnenvertriebene, Geflüchtete, Rückkehrende und ihre Aufnahmegemeinschaften im Bundesstaat Zentraläquatoria, Südsudan Landwirt:innen in fünf Landkreisen des Bundesstaates durch den Aufbau von Demonstrationsfarmen. Diese dienen der Schulung in guten landwirtschaftlichen Praktiken (Good Agronomic Practices) und klimaangepasster Landwirtschaft (Climate Smart Agriculture).

Das Projekt unterstützt außerdem die Einrichtung von Saatgutbanken, um Landwirt:innen zur Saatgutproduktion, Wiederverteilung und gemeinschaftlichem Verkauf ihrer Produkte anzuregen, damit sie bessere Preise erzielen können. Die Gemeinden stellten Land als Demonstrationsflächen bereit, auf denen Landwirt:innen weiterhin voneinander lernen können.

Es wurden fünf Demonstrationsflächen in Morobo (2), Kajo-Keji (2) und Lainya (1) eingerichtet. Landwirt:innen erhielten Saatgut, bauten an, ernteten und gaben einen Teil des Saatguts an die Saatgutbank zurück. Landwirt:innen in anderen Gemeinden, die vom Projekt noch nicht erfasst sind, bitten um ähnliche Unterstützung – ein Wunsch, den auch die Bezirkslandwirtschaftsämter äußern.

Wir appellieren an lokale NGOs, aktiv zu werden – durch Unterstützung von Maßnahmen zur Verringerung von Treibhausgasemissionen, Förderung erneuerbarer Energien und Einsatz für nachhaltige Praktiken. Wir sind es uns selbst, den kommenden Generationen und unserem Planeten schuldig, der Bedrohung des Klimawandels zu begegnen. Humanitäre Nahrungsmittelhilfe ist keine nachhaltige Lösung – sie macht uns abhängig. Wir brauchen lediglich Unterstützung, um wieder anbauen zu können, unsere Felder zu erneuern und Nahrung für unsere hungernden Familien zu produzieren.

Kiden Soki, Simon Josea Bansuk, David Loki, Pomujo Kajokeji
Zentral-Äquatoria, Südsudan

Die Landwirtschaft ist unsere wichtigste Lebensgrundlage – unser Lebensfaden – doch sie wird Tag für Tag zerstört, und wir können nur zusehen!

Landwirtin Kiden Soki, 22 Jahre

Einblicke aus dem Südsudan

Südsudan

Der Südsudan gehört zu den Ländern, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind. Seit den 1970er Jahren sind die Temperaturen um etwa 1,3 °C gestiegen, während die Niederschlagsvariabilität um mehr als 10 Prozent zugenommen hat. Dies hat die Häufigkeit von Dürren und Überschwemmungen erhöht. Die Landwirtschaft – Lebensgrundlage für über 80 Prozent der Bevölkerung – ist stark beeinträchtigt. Laut dem Humanitarian Needs Overview 2025 benötigen in Kajo-Keji County 147.800 Menschen – das sind 57 Prozent der Bevölkerung – humanitäre Hilfe.

Logo Klimabrief. Auf einer grünen Briefmarke steht das Wort Klimabrief.

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