Wenn die Erde müde wird

Klimabrief aus Bolivien

Die Klimakrise bedroht weltweit Lebensgrundlagen – am stärksten dort, wo Menschen ohnehin unter schwierigen Bedingungen leben. Mit unseren Klimabriefen geben wir Betroffenen eine Stimme und zeigen auf, wie gemeinsames Handeln wirkt: In ausgewählten Beispielen berichten wir über Projekte, die Menschen im Globalen Süden dabei unterstützen, den Folgen extremer Naturereignisse zu begegnen und ihre Lebensräume nachhaltig zu schützen.

In dem folgenden Klimabrief aus Bolivien berichtet Celsa Justiniano Martinez.

Celsa Justiniano Martinez | © PRODECO

Liebe Leser:innen,

ich schreibe Ihnen heute aus meinem Zuhause in der Gemeinde Yapiroa am Ufer des Flusses Parapety. Das liegt im Department Santa Cruz, in Bolivien. Ich bin 70 Jahre alt und lebe hier seit meiner Geburt. Hier bin ich aufgewachsen, habe meine Familie gegründet und in den 90er Jahren meinen Mann beerdigt. Die Erziehung unserer zwölf Kinder war die größte Aufgabe meines Lebens – ein Leben, das eng mit diesem Land, dem Chaco Isoseño, verbunden ist.

Ich erinnere mich gerne an meine Jugend zurück. Ich widmete mich der Landwirtschaft. Wir bauten Bohnen, Mais, Maniok, Reis und Süßkartoffeln an. Die Ernten waren gut. Es gibt hier auch einheimische Früchte wie Cupesí, Johannisbrot oder Mistol. Und es wird Honig gemacht.

Aber in den letzten Jahren hat sich etwas verändert. Wegen der plötzlichen Klimaveränderungen wird nicht mehr produziert wie früher. Die Trockenzeiten sind härter geworden. Es gibt mehr Wind und Sand als früher. Unsere Ernten sind kleiner. Es ist entweder zu heiß oder zu kalt. Deshalb bringt das Land nicht mehr so viel hervor.

Ich erinnere mich auch an die Zeiten, in denen wir Wasser mühsam aus dem Brunnen holen mussten. Wir waren viele Familien, sodass jede nur wenig Wasser bekam. Heute haben wir dank eines Projektes Wasser aus einem Tank, der durch Photovoltaikanlagen gefüllt wird.

Aber das Leben hier ist ein ständiger Kampf. Zwischen Juli und Oktober gehen die meisten Männer zur „Zafra“ (Ernte) in den Norden von Santa Cruz, um dort zu arbeiten. Zurück bleiben die Frauen und Kinder. Diese Monate sind sehr lang. Wir tragen die Verantwortung für das Haus und die Kinder. Aber wir haben die Hoffnung, dass die Männer mit etwas Geld zurückkommen.

Ich möchte Ihnen von meiner Küche erzählen. Als PRODECO (Proyecto de desarrollo comunitario, Partnerorganisation von Terre des Hommes) kam und uns bessere Kochherde anbot, sagte man mir, dass diese Herde weniger Rauch machen würden. Und so war es auch. Seitdem die neue Küche installiert ist, benutze ich sie jeden Tag. Sie ist sauberer, es gibt keinen Rauch mehr, der uns beim Kochen zum Husten und Weinen bringt. Aber am meisten freut mich, dass sie nicht so viel Brennholz verbraucht. Früher musste ich mehrere Stunden laufen, um gutes Holz wie Guayacán zu bekommen, und das reichte dann gerade mal für eine Woche. Jetzt reicht dasselbe Brennholz bis zu zwei Wochen, je nachdem, was wir kochen. Es ist eine große Erleichterung für mich und meine Familie. Wir müssen nicht mehr so oft Brennholz sammeln.

Die Behörden sprechen von besseren Lebensbedingungen für uns. Aber dabei bleibt es auch. Wir hören sie reden. Aber wir sehen sie nicht, wenn wir sie brauchen. In der Regenzeit kommen manchmal keine Lebensmittel an. Es ist dann unmöglich, sich fortzubewegen. Wir brauchen Toiletten und Duschen. Und große Tanks, um Wasser für die Trockenzeit zu speichern.

Ich lade Sie ein, Isoso kennenzulernen, unser wechselhaftes Klima und die Bräuche unseres Volkes, der Guarani, zu entdecken.

Celsa Justiniano Martinez, Gemeinde Yapiroa, Isoso

Einblicke aus Bolivien

Bolivien

Bolivien liegt im Herzen Südamerikas und umfasst vielfältige Landschaften – von den Anden über das Amazonasbecken bis zu den Trockenzonen des Altiplano. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung leben in ländlichen Gebieten, die stark von der Landwirtschaft abhängig sind und besonders unter den Folgen des Klimawandels leiden. Die Gletscher der bolivianischen Anden haben seit den 1980er Jahren rund 40 Prozent ihrer Fläche verloren, was gravierende Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung in Städten wie La Paz und El Alto hat.

Laut dem Weltklimarat (IPCC) steigen die Temperaturen in Bolivien schneller als im globalen Durchschnitt. Bis 2050 könnten die Temperaturen um bis zu 2,5 °C steigen, was zu häufigeren und intensiveren Dürren führen kann. Gleichzeitig nehmen Starkregenereignisse zu, die zu Überschwemmungen und Erdrutschen führen – besonders in den tropischen Tieflandregionen. Diese klimatischen Veränderungen gefährden nicht nur die Umwelt, sondern auch die Ernährungssicherheit, Gesundheit und soziale Stabilität des Landes.

Logo Klimabrief. Auf einer grünen Briefmarke steht das Wort Klimabrief.

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