Klimabrief aus Haiti

In der Serie „Klimabriefe“ berichten Partner unserer Mitgliedsorganisationen aus verschiedenen Ländern der Welt über die spürbaren Folgen des Klimawandels in ihren Regionen. Sie erzählen, wie sie sich für den Klima- und Umweltschutz einsetzen, welche Erfolge sie erzielt haben und welchen Herausforderungen sie begegnen.

Setzlinge werden eingepflanzt um vor Erosion bei Überschwemmungen zu schützen.
© Welthungerhilfe

Bäume pflanzen gegen den Klimawandel

29. März 2023

Liebe Leser:innen,

ich bin Pierrot Montrevil aus Cap-Haïtien/Haiti. Ich bin Projektkoordinator bei der Organisation Concert Action, die eng mit der Welthungerhilfe aus Deutschland zusammenarbeitet.

Haiti liegt weit vorne bei den anfälligsten und schwächsten Ländern, wenn es um die Fähigkeit zur Anpassung an den Klimawandel geht. Die Umweltsituation in unserem Land ist sehr besorgniserregend. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf einige Parameter wie Niederschlag und Temperatur sind seit über einem Jahrzehnt so deutlich wie nie zuvor und stellen eine große Bedrohung für die Bewohner:innen dar.

Die Regenfälle, die sich über einen kurzen Zeitraum des Jahres verteilen, werden jährlich intensiver. Dies führt nicht nur zu Wassererosion in steilen Hanglagen, auf denen weniger wächst, sondern vor allem auch zu Überschwemmungen, die jedes Jahr häufiger auftreten. Auf der anderen Seite werden die Dürreperioden dazwischen immer länger. Dies wiederum führt oft zu Viehverlusten – da es nicht ausreichend Futter und Wasser für die Tiere gibt -, Ernteausfällen, der Entwicklung von Schädlingen und der Verschlechterung der Bodenqualität.

In den Dörfern Haitis ist die große Mehrheit der Bevölkerung nicht allzu gut über den Klimawandel informiert, obwohl die Auswirkungen auf ihre bäuerliche Arbeit so klar erkennbar sind. Meine Organisation arbeitet daran, diesen Trend umzukehren: Wir führen Sensibilisierungsmaßnahmen durch und motivieren die Gemeinden, insbesondere in ländlichen Gegenden. Zum Beispiel zeigen wir den Bäuer:innen, welche ihrer Praktiken nicht klimafreundlich sind, und bieten ihnen dafür dann andere Methoden an, die langfristig deutlich besser dem Klimawandel standhalten können. Bei der Durchführung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel unterstützen wir dann natürlich

Die Umweltsituation in Haiti ist sehr besorgniserregend.

Pierrot Montrevil,
Projektkoordinator bei Concert Action

In den Dörfern Haitis ist die große Mehrheit der Bevölkerung nicht allzu gut über den Klimawandel informiert, obwohl die Auswirkungen auf ihre bäuerliche Arbeit so klar erkennbar sind.

Derzeit wird zum Beispiel in der nördlichen Region Haitis, Borgne und Vallières, ein Projekt umgesetzt, das auf die Wiederherstellung bestimmter Ökosysteme abzielt. Es werden Bäume neu gepflanzt und die Setzlinge gepflegt, um Waldflächen zu restaurieren, und gleichzeitig werden neue Methoden für nachhaltigere Landwirtschaft, wie zum Beispiel sogenannte Agroforstsysteme, gefördert. Diese Technik erlaubt den Anbau verschiedener Pflanzenarten (Obst, Kaffee, Waldbäume) auf ein und derselben Parzelle. Dies hat mehrere Vorteile: eine größere biologische Vielfalt von pflanz- und Tierarten, eine höhere Produktivität und eine verbesserte Ernährungssicherheit für die Bewohner:innen und ihre Familien. Gleichzeitig sind wir im Anbau klimafreundlicher, da der Boden bedeckt ist und nicht durch die erwähnten Starkregenfälle abgetragen wird. Dies trägt auch dazu bei, CO2 aus der Atmosphäre zu speichern.

Es ist auch immer eine Herausforderung, dass die Gemeinschaften Landwirtschaft für den Lebensunterhalt ihrer Familien betreiben, während sie gleichzeitig keine zusätzlichen Umweltschäden verursachen, sondern zur Linderung der aktuellen Missstände beitragen sollen.

  • Die Auswirkungen des Klimawandels werden in Haiti immer deutlicher. Regenfälle werden intensiver und führen zu schweren Überschwemmungen. © Welthungerhilfe

Wir wünschen uns daher sehr, dass die Umsetzung der verschiedenen Verpflichtungen, die auf den großen Konferenzen auf globaler Ebene eingegangen wurden, praktischer, verantwortungsbewusster und effektiver gestaltet wird.

In Saint Raphaël im Norden Haitis kommt den Bauernfamilien eine Schlüsselrolle beim Schutz eines kürzlich von uns und der Welthungerhilfe rehabilitierten Bewässerungssystems zu. Die lokale Bevölkerung wird in alle Phasen des Prozesses einbezogen. Die Bewohner:innen werden von uns ermutigt, das Wassereinzugsgebiet gut zu bewirtschaften, die Waldflächen zu vergrößern und zu schützen sowie die landwirtschaftlichen Flächen zu schützen und effizient zu nutzen, um ihre wirtschaftliche und ernährungsbedingte Existenz zu sichern. Auf diese Weise profitieren die Bäuer:innen finanziell und durch verbesserte Ernährung von dem Wassereinzugsgebiet. Der Erhalt und die Pflege des Bewässerungssystems vermindert das Überschwemmungsrisiko und schützt somit ihre landwirtschaftliche Existenz. So bleibt das fragile Ökosystem der Region erhalten.

Jedes Land kann von den negativen Auswirkungen der Klimakrise betroffen sein, insbesondere durch den unaufhörlichen Anstieg der Treibhausgase, die keine geografischen Grenzen kennen. Wir wünschen uns daher sehr, dass die Umsetzung der verschiedenen Verpflichtungen, die auf den großen Konferenzen auf globaler Ebene eingegangen wurden, praktischer, verantwortungsbewusster und effektiver gestaltet wird. Wir glauben, dass die finanziellen Mittel, die für solche Maßnahmen benötigt werden, vorrangig für die am stärksten gefährdeten Länder generiert und bereitgestellt werden sollten – insbesondere für die „ärmsten“ Länder wie Haiti, wo die Folgen in den letzten Jahren immer nur negativer wurden. Die extremen Wetterphänomene der vergangenen Jahre wie z.B. Hurrikane der Stärken 3 und 4 zeigen dies überdeutlich.

Wir müssen jetzt gegensteuern, um unser schönes Land zu erhalten.

Herzliche Grüße

Pierrot Montrevil

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