Hungerkrisen

Weltweit haben bis zu 828 Millionen Menschen nicht ausreichend Nahrung. Durch anhaltende Krisen, Katastrophen und Kriege verschlechtert sich die globale Hungersituation weiter. Was wir für die Bekämpfung gegen den Hunger tun, erfahren Sie hier. 

Gurkenernte in Deir Ballout im Norden des Westjordanlands.
© S. Jarrar / Oxfam

Die Lage

Die weltweite Ernährungssituation ist dramatisch. Nach jahrelangen Fortschritten in der Hungerbekämpfung, stagnieren aktuell die Bemühungen. Seit 2017 nimmt das weltweite Hungerniveau wieder deutlich zu. Laut dem Welthunger-Index 2022, herausgegeben von unserem Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe, ist die Hungersituation aktuell in Burundi, Demokratische Republik Kongo, Jemen, Madagaskar, Somalia, Südsudan, Syrien, Tschad und Zentralafrikanische Republik besonders ernst. Der Welthunger-Index misst neben dem Anteil der unterernährten Bevölkerung, den Anteil der Kinder unter fünf Jahren mit Wachstumsverzögerungen oder chronischem Untergewicht sowie die Kindersterblichkeit. Gründe für den steigenden Hunger sind Kriege und Konflikte, die Klimakrise sowie die Folgen der Corona-Pandemie.  

Die Auswirkungen der Klimakrise, darunter Dürren und Wassermangel, führen zu Ernteausfällen und dem Verenden von Nutztieren. So herrscht aktuell in Ostafrika eine verheerende  Dürre mit massiven Auswirkungen auf Mensch und Tier nachdem bereits zum vierten Mal in Folge die Regenzeiten zu gering ausgefallen oder ausgeblieben sind. Wenn es dann in einer von Dürre betroffenen Region plötzlich regnet, kann der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht speichern und es kommt zu Überflutungen. 

Wenn es dann in einer von Dürre betroffenen Region plötzlich regnet, kann der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht speichern und es kommt zu Überflutungen. Die sich wiederholenden Dürren lassen den Menschen kaum Möglichkeiten Viehzucht und Landwirtschaft nachhaltig wiederaufzubauen, sich zu erholen und besser gegen kommende extreme Naturereignisse zu schützen.  

Darüber hinaus wirken sich die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie weiterhin aus. Gerade Menschen in informellen Arbeitsverhältnissen mit niedrigen Einkommen ohne soziale Absicherung können den Ausfall von Löhnen oft nur schwer ersetzen und sind besonders gefährdet unmittelbar Hunger zu leiden. Die steigenden Nahrungsmittel- und Energiepreise infolge des Krieges in der Ukraine spitzen die ohnehin schon angespannte Situation weiter zu. 

Strukturelle Ursachen liegen in den vorherrschenden Machtungleichheiten im globalen Ernährungssystem. Um den Hunger nachhaltig zu bekämpfen und die Situation nicht noch weiter zu verschärfen, sind daher grundlegende Veränderungen notwendig, die diese Machtungleichgewichte angehen und das Ernährungssystem gerechter machen. Lösungsansätze sind bereits bekannt, nun braucht es den globalen politischen Willen diese Ansätze auch umzusetzen.  

Die anhaltende Dürre setzt den lebenswichtigen Böden in Turkana, Kenia weiter zu. Die nächste Wasserstelle ist 50 km entfernt. Für Kanamot ein zu weiter Weg. Sie musste bereits zwei ihrer Kinder abgeben, um sie vor dem Hungertod zu bewahren. © CBM
Kinder sitzen unter einer einfachen Plane
Nach einem verheerenden Beben im Juni 2022 in Afghanistan werden die Menschen in der betroffenen Region mit dringend notwendigen Lebensmitteln versorgt, darunter Pakete mit Reis, Hülsenfrüchten, Speiseöl, Salz und Gewürzen oder mit verzehrfertiger Trockennahrung. © terre des hommes
Nach der verheerenden Flut in Pakistan sind viele Ernten zerstört und ganze Viehherden verendet. In stark betroffenen Gebieten drohen nun Hungersnöte. Die Menschen sind dringend auf Hilfe angewiesen. © CBM
Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs erreichen auch die Kamelhirten im Somaliland. Die steigenden Preise für Lebensmittel, Öl und Viehfutter sind für die Hirten kaum mehr zu bezahlen. Ihr einziger Ausweg bleibt nur noch ihre Tiere zu verkaufen. © Welthungerhilfe
Markstand in Simbabwe an dem Tomaten verkauft werden
Die steigenden Lebensmittelpreise treffen auch die Menschen in Simbabwe schwer. Viele können sich Grundnahrungsmittel schlichtweg nicht mehr leisten. Besonders vulnerable Familien und Einzelpersonen werden mit monatlichen Geldtransfers und Gutscheinen unterstützt. © Brazier / Welthungerhilfe
Zwei Männer begutachten Saatgut.
In Burkina Faso unterstützt eine Partnerorganisation Landwirt:innen darin, ihr Auskommen mithilfe von Methoden ökologischer Landwirtschaft zu sichern. © Christoph Püschner / Brot für die Welt
Gurken nach der Ernte
In Gaza und Westjordanland sind 75 Prozent der Haushalte von Landwirtschaft und Viehzucht abhängig. Um diese fortführen zu können und Einkommen zu sichern, unterstützen Partner bei der Wiederherstellung von Trinkwassernetzwerken und begleiten Bäuer:innen bei der Umsetzung landwirtschaftlicher Bewässerungsmodelle und -technologien. © Suhaib Jarrar / Oxfam
Junge Frau vor einer Hütte in Somalia
Faisa musste aufgrund der zunehmenden Dürre ihre Heimat verlassen und lebt jetzt in einem Geflüchteten-Camp in Somalia. Dort drohen insbesondere Mädchen und Frauen geschlechterspezifische Gewalt. Trainingsprogramme sollen die Frauen darin stärken ihre Rechte zu kennen und sich vor Übergriffen zu schützen. © Ali Jibril / Plan International

Die Hilfsmaßnahmen

Die Bündnis-Mitglieder engagieren sich weltweit in vielzähligen Projekten Hunger unmittelbar zu lindern und langfristig zu beenden. Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen verteilen sie Nahrungsmittel an Betroffene, die unter akutem Hunger leiden, fördern nachhaltige Anbaumethoden und verbessern die Wasserversorgung für ertragreichere Ernten. Außerdem bieten sie Möglichkeiten zum Wissenstransfer und zur Weiterbildung und setzen sich gemeinsam für strukturelle Veränderungen im Ernährungssystem ein. Neben vielen weiteren Projekten setzen unsere Mitglieder beispielsweise die folgenden Projekte mit Spenden um 

  • In Malawi bietet ein Partner von Brot für die Welt Schulungen für Eltern und Schüler:innen an, in denen die Prinzipien der Permakultur erklärt werden. In sogenannten Permakultur-Clubs werden Anbaumethoden unterrichtet, die sich eng an der Natur orientieren. Dazu gehört die Herstellung von Dünger, der ausgelaugte Böden wieder fruchtbar macht und der Anbau von Mischkulturpflanzen. Dadurch wird die Artenvielfalt gestärkt und es werden gesunde, nahrhafte Lebensmittel produziert.  
  • Brot für die Welt unterstützt in Bangalore in Indien ein Programm zur Ernährungssicherung seiner Partnerorganisation Institute for Cultural Research & Action mit dem Ziel einer nachhaltigen und ökologischen Landwirtschaft. Dazu werden zur Anpassung an die klimabedingt veränderten Wetterverhältnisse eine systematische Regenwassersammlung und intensivierte Gründüngung für nachhaltigere Bodenfruchtbarkeit eingeführt. Darüber hinaus vernetzt das Institute for Cultural Research & Action sich mit anderen Organisationen im Bereich der Ernährungssicherung, erstellt regelmäßig Publikationen zum Thema Agrarökologie und organisiert Veranstaltungen zur Ernährungssicherung mit Fachexpert:innen. 
  • Im Marsabit County, Kenia verteilt die Christoffel-Blindenmission Lebensmittel und führt Cash-Transfers durch. Priorisiert werden dabei insbesondere Mütter, Menschen mit Behinderung, Senior:innen sowie HIV/AIDS-Erkrankte. In der schwer von Dürre betroffenen Region Turkana County werden Wasser per Truck geliefert und Wasseraufbereitungstabletten verteilt. Auch hier liegt die Priorität auf besonders vulnerablen Gruppen. 
  • In Äthiopien erhalten Familien im Rahmen eines Projektes der DAHW Land, auf denen sie ihr eigenes Gemüse für den Eigenbedarf oder Verkauf anbauen können. Damit sollen langfristig sichere Einkommensquellen geschaffen werden. Zusätzlich werden Schulungen für Anbaumethoden und den Bau einer Bewässerungsanlage angeboten. 
  • Auch in Guatemala, Honduras, Ecuador und Haiti verschärfen die steigenden Nahrungs- und Energiepreise die noch angespannte wirtschaftliche Situation vieler Familien infolge der Corona-Pandemie. In diesen Ländern unterstützt die Kindernothilfe mit der Verteilung von Lebensmittelpaketen und hochkalorischer Spezialnahrung für Kinder. Um Krankheiten zu vermeiden, wird zusätzlich sauberes Trinkwasser verteilt.  
  • In Somalia unterstützt medico international seinen langjährigen Partner Nomadic Assistance for Peace and Development (NAPAD) bei der Sicherung von Lebensgrundlagen und Nothilfemaßnahmen für die ländliche Bevölkerung. NAPAD versorgt Gemeinschaften in abgelegenen Dörfern mit Lebensmitteln und sauberem Trinkwasser. Zudem fördern sie eine Solarisierung, helfen bei der Verbesserung der Wassersysteme und stärken Kapazitäten für eine klimaangepasste Landwirtschaft und Agroforstwirtschaft.  
  • Im Kampf gegen den Hunger unterstützt Misereor seinen Partner IMPACT (Indigenous Movement for Peace Advancement and Conflict Transformation) in Laikipia, einem besonders von der aktuellen Dürre betroffenen Landkreis in Zentralkenia. Zur akuten Versorgung erhalten Betroffene Nahrungsmittel und sauberes Wasser. Zudem werden nachhaltige landwirtschaftliche Maßnahmen gefördert, die die Menschen widerstandfähiger gegen Klima- und Preisschwankungen machen. Dazu gehören angepasste Anbausysteme, die weniger empfindlich auf Klimaveränderungen reagieren, die verbesserte Produktion von Nahrungsmitteln vor Ort und eine verringerte Nutzung importierter Düngemittel. 
  • In Bangladesch steht Plan International vor allem Mädchen und jungen Frauen zur Seite, die gefährdet sind, als Folge der Hungerkrisen die Schule abbrechen zu müssen oder früh verheiratet zu werden. Neben der Verteilung von Lebensmittel und Bargeld arbeitet Plan mit mehreren Schulen in der Region zusammen, damit das Lernumfeld integrativer gestaltet wird und Mädchen in der Schule bleiben können. Zudem werden Lehrkräfte in den Grundsätzen des Kinderschutzes geschult und sensibilisiert, damit sie als Vermittler:innen für Mädchen einstehen können. 
  • Die zunehmende Trockenheit trifft insbesondere die Länder am Horn von Afrika schwer. Partner von terre des hommes fokussieren ihre Hilfsmaßnahmen verstärkt auf vulnerable Gruppen im ländlichen Raum. Damit soll verhindert werden, dass Menschen aufgrund der Dürre aus ihrer Heimat flüchten müssen. Viehherden werden mit Futter und ausreichend Trinkwasser versorgt und Schulungen angeboten, in denen alternative Lebensunterhaltsmaßnahmen, wie der Trockenfeldanbau, Imkerei oder Geflügelzucht aufgezeigt werden. 
  • In Simbabwe unterstützt die Welthungerhilfe mit monatlich 10 US-Dollar pro Person besonders vulnerable Familien und verteilt Gutscheine für Supermärkte. In Schulungen werden neue Anbau- und Vermarktungsmethoden vorgestellt, die langfristig Einkommen sichern sollen. Mit einer Preiskontrolleinheit werden in Burkina Faso lokale Lebensmittelpreise überwacht, um Spekulationen auf dem Markt zu verhindern, die zu einer Verteuerung von Lebensmitteln führt. 

Hunger-FAQ

Wenn der Mindestbedarf eines erwachsenen Menschen von ca. 2.100 Kilokalorien pro Tag dem Körper über eine längere Zeit nicht zugeführt wird, spricht man von Unterernährung. Dies führt zu drastischer Schwächung der körperlichen und psychischen Verfassung sowie des Immunsystems. Wenn der Zeitraum der Unterernährung begrenzt ist, spricht man von akutem Hunger. Dieser tritt häufig bei Katastrophen und in Kriegsfällen auf. Bei einer dauerhaften Unterernährung handelt es sich um chronischen Hunger. Er steht meist in Zusammenhang mit Armut, wodurch sich die Menschen nicht ausreichend mit Nahrung versorgen können. So genannter verborgener Hunger ist eine Form des chronischen Hungers. Dabei ist der Nährstoffmangel von bspw. Eisen, Jod, Zink oder Proteinen und Vitaminen durch die zu geringe und einseitige Ernährung nicht sofort erkennbar, hat jedoch häufig schwere Krankheiten oder Organversagen zufolge. Neben einer hohen Sterberate können sich unterernährte Kinder körperlich und psychisch nicht richtig entwickeln. Aufgrund der eingeschränkten Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen ist eine Verbesserung der Lebensumstände aus eigener Kraft oft kaum möglich.

Von einer offiziellen Hungersnot wird gesprochen, wenn sich in einer Region eine große Anzahl an Menschen nicht ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgen kann. Das heißt per Definition, dass mindestens zwei Menschen pro 10.000 Einwohner:innen aufgrund von zu wenig zu essen sterben, mehr als 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren mangelernährt sind und mindestens in jedem fünften Haushalt Nahrungsmittel und Trinkwasser fehlen. Demnach muss die Regierung vor Ort oder das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) die Lage als Phase 5 auf der IPC-Skala (Integrated Food Security Phase Classification) einstufen. Bis dahin spricht man von einer Hungerkrise.

In welchen Regionen der Welt Menschen an Hunger leiden, wird beispielsweise durch den Welthungerindex (WHI) angegeben. Dieser misst mittels vier Indikatoren den Ernährungszustand der Bevölkerung und wird seit mehr als zehn Jahren von unserem Mitglied Welthungerhilfe und seinen Partnern herausgegeben. Drei Viertel aller von Hunger betroffenen Menschen leben in ländlichen Regionen. Sie produzieren die Nahrung meist selbst. Doch durch den Klimawandel ist dies teilweise nicht mehr möglich. Zudem werden indigene Bevölkerungsgruppen immer öfter von ihrem Land vertrieben. Menschen ohne Landbesitz, so wie Wanderarbeiter:innen, sind durch sehr geringe Löhne ebenfalls stark von Hunger bedroht.

Zu den Ländern, in denen aktuell besonders viele Menschen von Hunger bedroht sind, gehören Äthiopien, Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Jemen, Madagaskar, Somalia, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Frauen und Kinder sind meist die Hauptleidtragenden, weil ihnen unter anderem der Zugang zu Ressourcen und gleichberechtigter Teilhabe fehlt.

Die Gründe, warum Menschen an Hunger leiden, sind sehr vielfältig. Armut ist jedoch der Hauptgrund für Hunger. Arme Menschen können sich oft nicht ausreichend ernähren, da sie sich die Nahrungsmittel nicht leisten können. Kriege und andere Konflikte verschlechtern diese Notlage zusätzlich. Sie verursachen häufig steigende Preise durch Handels- und Transportschwierigkeiten. Zudem fliehen Menschen infolge von Krieg und Gewalt und sind gezwungen ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlagen zurückzulassen und ihre Ersparnisse aufzubrauchen.

Durch den Klimawandel häufen sich extreme Naturereignisse wie Dürren und Überschwemmungen. Wenn diese regelmäßig auftreten, wird es für die Menschen zunehmend schwieriger, sich ihre Existenzgrundlage zu erhalten oder stets wieder aufzubauen.

Weltweit leiden rund 828 Millionen Menschen unter Hunger. Jeder 10. Mensch leidet unter chronischem Hunger. Dabei stirbt alle 13 Sekunden ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger und Mangelernährung. Etwa 150 Millionen Kinder leiden durch Unterernährung an Wachstumsstörungen. 45 Millionen Kinder sind untergewichtig. Seit 2015 steigt die Anzahl an hungernden Menschen wieder an. Aufgrund des Klimawandels und Konflikten ist die Tendenz steigend, auf dem afrikanischen Kontinent sprunghaft.

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2022-11-03T16:27:25+01:00