Zeit für globale Perspektiven: Solidarisches Handeln jetzt!

18. Mai 2021

Medizinisches Personal klärt Frauen über Corona Schutzmaßnahmen auf.

Während sich in vielen Ländern des Globalen Nordens die Corona-Situation dank voranschreitender Impfkampagnen merklich entspannt, kämpfen Länder des Globalen Südens weiterhin mit den verheerenden Auswirkungen der Pandemie. Die dramatische Lage in Indien und Nepal macht einmal mehr deutlich: Die Pandemie ist und bleibt ein globales Problem und muss auch als solches bekämpft werden.

Berlin, 18.05.2021 – Die Pandemielage in Indien bleibt trotz leicht sinkender Fallzahlen angespannt. Zudem gibt die Lage in Nepal Anlass zur Sorge. Gerade in ländlichen Gebieten sind die Gesundheitswesen in den Ländern häufig schlecht ausgestattet und kommen mit den hohen Infektionszahlen nicht zurecht. Zudem stocken die Impfkampagnen, weil Impfstoffe fehlen. Erneut leiden ärmere Menschen unter den Folgen besonders. Wenn sie erkranken, fehlt ihnen oft der Zugang zu medizinischer Versorgung, für Familien ohne soziale Absicherung werden schnell die Nahrungsmittel knapp und Hunger droht. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sind die Bündnis-Mitglieder in betroffenen Regionen in Indien aktiv, helfen Erkrankten und ihren Familien und tragen so gut es geht zur Eindämmung des Infektionsgeschehens bei. „Die Berichte unserer Mitarbeitenden vor Ort sind erschreckend und führen uns die Schicksale der Menschen vor Augen, die allein durch Statistiken gar nicht greifbar werden. Sie mahnen uns, die Menschen hinter den Zahlen zu sehen und mit aller Empathie Hilfe zu leisten“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer von Bündnis Entwicklung Hilft.

Auch in vielen anderen Ländern des Globalen Südens wird weiterhin kaum geimpft. Ausgehend von der gegenwärtigen globalen Impfstoff­ver­teilung und Impfgeschwindig­keit, wird es in vielen Ländern des Globalen Südens Jahre dauern, bis umfassend gegen das Coronavirus geimpft werden wird. Dies liegt auch daran, dass Länder wie Deutschland viel mehr Impfdosen vorbestellt haben als notwendig und nur sehr zögerlich Impfdosen für ärmere Länder bereitstellen – anders als zunächst versprochen. Der bestehende Patentschutz verhindert eine umfassende Impfstoff­produktion in ärmeren Ländern. Peter Mucke erläutert: „Ein zeitlich begrenztes Aussetzen der Patente, ein Ausbau der Impfstoff­produktion und eine umfassende schnelle Impfkampagne wären unsere große Chance, das Virus global zu besiegen und weitere gefährliche Virusmutationen zu verhindern. Menschen überall auf der Welt, unabhängig von Alter, Herkunft, Geschlecht oder sozialer Schicht müssen gegen Covid-19-Infektionen geschützt werden. Die Pandemie wird erst dann vorbei sein, wenn das Virus für alle besiegt ist.“

Bündnis Entwicklung Hilft warnt vor kurzsichtigen, national geleiteten Lösungsstrategien. Deutschland und die Europäische Union sind dringend gefordert statt einer „Politik auf Sicht“ endlich einen nachhaltigen und gerechten Kurs der Pandemiebekämpfung einzuschlagen. „Es reicht nicht, wenn wir in Deutschland jetzt nur über den Umgang mit Impfneid, Impfdrängeln und die möglichen Lockerungen in den kommenden Monaten diskutieren. Es droht eine weitere Verschärfung der bestehenden Kluft zwischen Arm und Reich weltweit und eine Manifestation von Ungleichheit, wenn wir nicht umdenken“, sagt Peter Mucke. Ein solches Umdenken muss den Weg bereiten für systemische Veränderungen über die Pandemiebekämpfung hinaus, um globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und der wachsenden sozialen Ungleichheit entschlossen begegnen zu können und für künftige Krisen besser vorbereitet zu sein. Hierfür zeigt das Positionspapier zur Bewältigung der Corona-Pandemie “Für einen gerechten Ausgleich” von Bündnis Entwicklung Hilft globale, solidarische Antworten auf.

 

Hinweise für Redaktionen:

  • Das aktuelle Positionspapier “Für einen gerechten Ausgleich” ist in einer Kurzfassung sowie einer Langfassung abrufbar.
  • Mehr Informationen zu den Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie der Bündnis-Mitglieder finden Sie unter: entwicklung-hilft.de/informieren#corona
  • Gerne stellen wir Kontakt zu Interviewpartner:innen her.