Alltag unter Unsicherheit im Süden des Libanon
Im Süden des Libanon sind Sicherheit und Alltag seit Jahren fragil. Besonders Mädchen und Frauen sind in Krisenzeiten erhöhten Risiken ausgesetzt: Ihre Bewegungsfreiheit schrumpft, Schutzangebote brechen weg, Belastungen steigen. In dieser Situation arbeitet FEMALE als lokale Partnerorganisation von Terre des Hommes im Libanon. Die Organisation schafft sichere Räume, bietet psychosoziale Unterstützung an und stärkt Mädchen und Frauen darin, Handlungsspielräume zu behalten.
Seit 2017 betrieb FEMALE im Süden Libanons ein Community Center, das für viele mehr war als ein Gebäude. Es war ein Ort, an dem Mädchen und Frauen lesen, lernen und arbeiten konnten, Beratung fanden, an Workshops teilnahmen und über tabu- und rechtebasierte Themen sprechen konnten. In einem Umfeld, in dem öffentliche Räume häufig von Männern dominiert sind und Angst den Alltag prägt, war das Center für viele ein seltener Raum, in dem sie ankommen konnten.
Die Unterstützung durch Terre des Hommes
Mit der Unterstützung unserer Mitgliedsorganisation Terre des Hommes konnte FEMALE die Arbeit in einer besonders volatilen Phase aufrechterhalten und ausweiten – auch über den Süden hinaus, in die Bekaa-Region, nach Nordlibanon, Beirut und Mount Lebanon. Diese Unterstützung trug dazu bei, die operative Handlungsfähigkeit zu sichern und dort zu helfen, wo die Bedarfe am größten waren.
Ein großer Teil dessen, was Schutz möglich macht, passiert dabei im Hintergrund. Dazu gehört, die Miete und den Betrieb abzusichern, Schäden nach nahegelegenen Einschlägen zu reparieren, Wasser und Hygiene sicherzustellen, Erste-Hilfe-Ausstattung zu installieren und den Raum so zu erhalten, dass Mädchen und Frauen ihn weiterhin nutzen konnten. Kontinuität ist in Krisen ein Schutzfaktor: Verlässliche Ansprechpersonen, Routinen und sichere Orte helfen, hohe Belastungen besser zu bewältigen.

Angebote für Mädchen: psychosoziale Unterstützung und Wohlbefinden
Im Rahmen der Partnerschaft, die Ende 2024 begann, setzte FEMALE ein landesweites Projekt zur psychosozialen Unterstützung (PSS) und zum Wohlbefinden um. Ein Schwerpunkt lag auf Angeboten für Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren. In dem Programm gab es unter anderem Kunstangebote, Selbstverteidigung sowie Fußball- und Basketballsessions. Professionelle, gendersensible Trainer:innen gestalteten die Einheiten so, dass Mädchen sich ausprobieren konnten – körperlich und emotional.
Mehr als 1.000 Frauen und Mädchen wurden erreicht. Viele Mädchen beschrieben diese Zeiten als seltene Momente, in denen Angst in den Hintergrund trat: Sie erlebten Gemeinschaft, stärkten Selbstvertrauen und fühlten sich stärker miteinander verbunden. Auch wenn langfristige Wirkungen durch Vertreibung und Trauma häufig unterbrochen werden, sind solche Momente unter unsicheren Bedingungen bedeutsam.
Nach der Eskalation: Unterstützung verlagern und fortsetzen
In den letzten Jahren hat sich die Lage im Libanon deutlich verschärft. Als die Gewalt eskalierte und viele Menschen vertrieben wurden, konnte das Community Center im Süden nicht weiter betrieben werden. Kurz darauf wurde es im Jahr 2024 vollständig zerstört.
FEMALE reagierte darauf, indem die Arbeit angepasst und in Unterkünften sowie Gastgemeinden fortgeführt wurde. Mitglieder und Freiwillige – viele von ihnen selbst vertrieben – unterstützten Mädchen und Frauen weiter durch kontinuierliche Bedarfsanalysen, die Verteilung von Hygiene- und Notfallkits (u. a. mit Menstruationsprodukten), psychosoziale Unterstützung, Aufklärungsangebote zu geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV) und Fallbegleitung.
FEMALE in Libanon (Terre des Hommes) | © FEMALE / Terre des Hommes

Die Lage im Libanon
Infolge des Nahostkonflikts und der Aufnahme von 1,5 Millionen Geflüchteten – der weltweit höchsten Zahl pro Kopf – leidet der Libanon unter multiplen Krisen: politische Instabilität, wirtschaftlicher Kollaps und massive Vertreibung. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, ohne zuverlässigen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Strom und Bildung. Seit März 2026 verschärfen erneute Luftangriffe die Lage: Über eine Million Menschen wurden vertrieben und 4,1 Millionen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Libanon liegt 2025 auf Rang 94 des WeltRisikoIndex.
Ausblick: langfristige Unterstützung und Wiederaufbau von Netzwerken
Aufbauend auf der Zusammenarbeit mit Terre des Hommes bereitet FEMALE eine Post-Krisen- bzw. Post-Kriegs-Response vor. Sie richtet sich an Frauen, Mädchen und junge Menschen in mehreren Regionen des Landes, darunter Südlibanon, Bekaa, Beirut, Tripoli und Mount Lebanon. Im Mittelpunkt stehen psychosoziale Unterstützung und Stabilisierung, GBV-Fallmanagement und rechtliche Unterstützung, Aufklärung zu physischer und digitaler Gewalt sowie der Wiederaufbau feministischer Netzwerke durch kollektive Reflexion und Organizing. Ziel ist es, Schutzstrukturen zu stärken und Räume für Teilhabe wiederherzustellen – auch wenn einzelne Orte verloren gingen.
Bilder aus dem Projekt
Fotos: © FEMALE / Terre des Hommes
Gemeinsam im Bündnis handeln
Als Bündnis sind wir weltweit in verschiedenen Regionen unterwegs. Neben der Katastrophenhilfe setzen wir uns auch für langfristige, nachhaltige Unterstützung und Prävention ein. Danke an alle Spender:innen und Partner, die diese Arbeit möglich machen.














