Internationaler Tag der Kinderrechte

Bildung, Schutz und Teilhabe: Die Kindernothilfe in Nepal

Im Süden Nepals setzt sich die Kindernothilfe gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Chhori dafür ein, dass Kinder sicher aufwachsen, ihre Rechte kennen und regelmäßig zur Schule gehen können. Das Projekt richtet sich an besonders benachteiligte Gemeinden in Chandrapur, einem Gebiet, in dem Armut, frühe Heirat, Kinderarbeit, Migration und unzureichende Schutzstrukturen den Alltag vieler Familien prägen. 

Eines der Kinder, das vom Projekt profitiert, ist Sita Chaudhary. Die 15-Jährige war anfangs still und zurückhaltend. Durch die regelmäßigen Treffen im Kinderclub gewann sie Vertrauen, lernte ihre Rechte kennen und diskutiert heute selbstbewusst mit Gleichaltrigen und Erwachsenen über Sicherheit, Bildung und Kinderrechte.

Nepal gehört zu den Ländern Südasiens, in denen Kinderrechte oft gefährdet sind. Ein Fünftel der Bevölkerung lebt in Armut, extreme Hitze oder Winterkälte führen immer wieder zu Schulschließungen und Kinderarbeit sowie frühe Heiraten sind verbreitet.  

Projektaufbau

Im Projektgebiet Chandrapur unterstützt die Kindernothilfe gemeinsam mit der lokalen Partnerorganisation Chhori den Aufbau von kindgerechten Schutzstrukturen. Eine zentrale Maßnahme sind die Kinderclubs, die gezielt in besonders gefährdeten Gemeinden gegründet und von Chhori begleitet werden. Dort treffen sich Mädchen und Jungen verschiedener Altersgruppen regelmäßig, sprechen über ihre Erfahrungen, lernen ihre Rechte kennen und entwickeln gemeinsame Lösungen für Herausforderungen im Alltag.

Ergänzend dazu werden Kinderschutzkomitees gestärkt, die in akuten Situationen eingreifen, Familien beraten und Unterstützung vermitteln. Elterntrainings fördern gewaltfreie Erziehung und stärken das Bewusstsein für Bildung und Sicherheit. Schulen und lokale Behörden werden einbezogen, um ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder geschützt sind und sich entwickeln können.

Wie das Projekt hilft 

Die Förderung ermöglicht es den Kindern, Risiken in ihrem Umfeld zu erkennen und aktiv Veränderungen anzustoßen. In den Kinderclubs setzen sie eigene Initiativen um, etwa Debatten, Sportfeste oder Dorfkarten, mit denen sie unsichere Orte sichtbar machen. Dies führte dazu, dass riskante Bereiche verbessert und das Verhalten der Polizei angepasst wurde.

In vielen Familien zeigt sich ein Wandel im Umgang miteinander. Eltern berichten, dass sie Gewalt in der Erziehung ablegen und stärker auf die Bedürfnisse ihrer Kinder achten. Kinderschutzkomitees greifen ein, wenn Kinder in Arbeitssituationen geraten oder Kinderehen geplant werden, und unterstützen Familien bei Schulbildung, Ernährung oder medizinischer Versorgung.

Gründung von Kinderclubs

6 neue Clubs gegründet, über 50 Aktionen von Kindern organisiert.

Mehr Schutz für Kinder

Mehrere Kinderehen wurden verhindert, darunter eine unmittelbar vor der Zeremonie.

Neue Perspektiven

Über 30 Kinder aus Arbeitssituationen befreit; mehr als 70 Eltern verzichten inzwischen auf Gewalt.

Die Projektergebnisse zeigen, wie wirksam lokale Strukturen sind, wenn Kinder, Eltern und Gemeinden gemeinsam handeln. Die Kinderclubs bilden dabei das Herzstück: Sie schaffen sichere Räume, in denen Kinder ihre Rechte kennenlernen und Verantwortung übernehmen. Aktionen wie Dorfkarten führten zu konkreten Verbesserungen und stärkten den Austausch mit lokalen Behörden.

Auch der Schutz vor Gewalt und Ausbeutung wurde verbessert. Über 30 Kinder konnten aus Arbeitssituationen befreit werden, und mehr als 30 Mädchen erlernten Selbstschutztechniken gegen sexuelle Gewalt. Elterntrainings unterstützen diese Fortschritte, da mehr als 70 Eltern angaben, auf Gewalt in der Erziehung zu verzichten und ihre Kinder weder zur Arbeit noch zu frühen Ehen zu drängen.

Die Arbeit der Kinderschutzkomitees zeigt ebenfalls Wirkung. Ihre Interventionen verhinderten mehrere Kinderehen, darunter eine unmittelbare kurz vor der geplanten Zeremonie.

Kinderclubs in Nepal | © Jakob Studnar / Kindernothilfe

Neues Vertrauen: Sitas persönlicher Erfolg 

Sitas Chaudhary Geschichte zeigt, wie stark Kinder werden können, wenn sie Unterstützung und einen sicheren Raum erhalten. Als sie dem Kinderclub der Partnerorganisation Chhori beitrat, stellte sie sich zunächst schüchtern in die hinterste Reihe. Sie hörte zu, beobachtete und brauchte Zeit, um Vertrauen zu fassen. Schritt für Schritt begann sie, Fragen zu stellen, mit anderen zu lachen und an Spielen, Wettbewerben sowie Diskussionen teilzunehmen. Bald sprach sie selbstbewusst vor der Gruppe, übernahm Aufgaben und erklärte anderen, was sie gelernt hatte. 

Ich werde niemals eine Kinderehe akzeptieren. Ich rate meinen Freundinnen und Verwandten, nicht jung zu heiraten.“ 

Heute steht Sita an der Spitze des Kinderclubs. Sie leitet Treffen, verteilt Rollen, hört zu und berät andere Kinder. Lehrkräfte und Eltern sind beeindruckt von ihrer Entschlossenheit. Zu Hause spricht sie mit ihren Geschwistern über die Bedeutung von Bildung, und in der Schule meldet sie sich, wenn Fragen gestellt werden. 

Kinderclubs in Nepal | © Jakob Studnar / Kindernothilfe

Bilder aus dem Projekt

Fotos: © Jakob Studnar / Kindernothilfe

Herausforderungen in Nepal

Nepal liegt am Rande des Himalayas nördlich von Indien. Die gut 29 Millionen Einwohnenden gehören mehr als 125 ethnischen Gruppen an und sprechen über 120 verschiedene Sprachen. Etwa ein Fünftel der Menschen lebt in Armut, auf dem Land sind es noch deutlich mehr. Nepal ist geprägt von sozialen Ungleichheiten und der Diskriminierung marginalisierter Gruppen. 

Nepal liegt 2025 auf Rang 137 des WeltRisikoIndex.

Gemeinsam für internationale Kinderrechte

Die Situation in Nepal zeigt exemplarisch, wie wichtig langfristige Zusammenarbeit mit lokalen Partnern ist. Wenn Kinder ihre Rechte kennen, Familien gestärkt werden und Gemeinden Verantwortung übernehmen, entstehen dauerhafte Schutzstrukturen. Dieses Zusammenspiel stärkt Kinderrechte nicht nur in Nepal, sondern weltweit – und macht deutlich, wie eng Nothilfe, Prävention und Entwicklungszusammenarbeit verbunden sind. 

Ihre Spende für die weltweite Nothilfe