15. Oktober 2025
Hilfsmaßnahmen unserer Mitglieder in Gaza

Psychosoziale Unterstützung für Kinder | © medico international / PMRS
Die kombinierten Anstrengungen aller Mitgliedsorganisationen bei Bündnis Entwicklung Hilft in Nahost und Gaza zielen darauf ab, sowohl kurzfristig Leben zu retten als auch mittelfristig Grundlagen für eine stabile Versorgung zu schaffen. Nur durch diese abgestimmte Kooperation ist es möglich, trotz der prekären Sicherheitslage kontinuierlich Hilfe nach Gaza zu bringen. Die Herausforderungen bleiben immens: Blockaden, wechselnde Frontverläufe und infrastrukturelle Zerstörungen erschweren jede einzelne Aktion.
Die Hilfsleistungen unserer Mitgliedsorganisationen beschreiben wir im Folgenden.
Brot für die Welt
Soforthilfe & Existenzsicherung
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Unbürokratische Mehrzweck-Bargeldhilfen für besonders verletzliche Haushalte, mit Fokus auf von Frauen geführte Familien, zur schnellen Deckung von Grundbedarfen (Nahrung, Wasser, Hygiene, Medikamente, Unterkunft).
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Wiederaufbau von Lebensgrundlagen für Kleinunternehmer:innen und Landwirt:innen: Starthilfen, Ersatz grundlegender Arbeitsmittel, Reparaturen und punktuelle Investitionen zur Einkommensstabilisierung und Stärkung lokaler Versorgung.
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Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit erfahrenen lokalen Partnerorganisationen und koordinierter Abstimmung, um Bedarfe gezielt zu adressieren und Doppelstrukturen zu vermeiden.
Psychosoziale Unterstützung & Schutz
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Einzel- und Gruppenangebote zur psychosozialen Stabilisierung, inklusive psychologischer Erster Hilfe, kinder- und frauenspezifischer Aktivitäten sowie Freizeit- und Lernangeboten.
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Strukturierte Verweiswege zu spezialisierten Diensten und Aufklärung über Rechte und Schutzmechanismen – insbesondere für Frauen, Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen – um den Zugang zu Hilfs- und Beschwerdewegen zu sichern.
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Geplante Ausweitung der psychosozialen Angebote je nach Zugangslage und Bedarf.
Christoffel-Blindenmission (CBM)
Rehabilitation und Inklusion von Kindern und Jugendlichen
CBM unterstützt gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation Juzoor Kinder und Jugendliche mit schweren Kriegsverletzungen sowie Kinder mit Behinderungen. Sie erhalten wohnortnahe Rehabilitationsangebote: Physiotherapie, Pflege, Hilfsmittel, psychosoziale Begleitung und fallbasiertes Management. Eine systematische Erfassung von Kinder mit körperlicher Beeinträchtigung infolge einer Amputation verbessert die Versorgung und die Weiterleitung in spezialisierte Dienste. Ziel ist die funktionelle Erholung, Stabilität im Alltag und soziale Teilhabe.
Akuthilfe und inklusive Grundversorgung
Mit der Atfaluna Society for Deaf Children (ASDC) betreibt CBM inklusive Dienste im Gazastreifen. Gemeinschaftsküchen und Servicepunkte werden eingerichtet, damit vertriebene Menschen mit Behinderungen und ihre Familien verlässlich Zugang zu warmen Mahlzeiten, Wasser und Transport erhalten. Insbesondere barrierefreie Shelter sind kaum vorhanden und werden daher von ASDC betrieben. Verbleibende Familien in Gaza-Stadt werden durch Bargeldhilfen unterstützt, um grundlegende Bedarfe flexibel abzudecken. In den Küchen arbeitet geschultes Personal, darunter Menschen mit Hörbehinderung im Rahmen von Cash-for-Work – ein Beitrag zu Würde, Einkommen und gelebter Inklusion.
Schutz und psychosoziale Unterstützung
Gemeinsam mit der Al Ataa Charitable Society schafft CBM sichere Räume für Frauen und Jugendliche. Angebote zur psychosozialen Betreuung, kreative Aktivitäten und Aufklärung zu reproduktiver Gesundheit und geschlechtsspezifischer Gewalt stärken Resilienz und Schutzmechanismen. Frauen mit Behinderungen und Überlebende von Gewalt erhalten traumasensible Beratung, rechtliche Unterstützung und Zugang zu lokalen Netzwerken.
medico international
Medizinische Versorgung in Gaza
medico international unterstützt die Ärztinnen, Ärzte und mobilen Teams der Palestinian Medical Relief Society in Notunterkünften und Zeltlagern. Die Teams versorgen Verletzte, akut und chronisch Erkrankte und halten unter extremen Bedingungen Basisgesundheitsdienste aufrecht. Damit verteidigen sie das Recht auf medizinische Hilfe und stabilisieren das nach wie vor stark belastete Gesundheitssystem.
Schutz, psychosoziale Unterstützung und Angebote für Frauen und Kinder
Der Partner Mayasem organisiert in Zeltlagern kreative und psychosoziale Angebote für geflüchtete Kinder. Theater, Malen und Musik geben Struktur und fördern Verarbeitung und Resilienz. Ergänzend stellt Shababek Kunstmaterialien bereit und bindet ehemalige Teilnehmende als ehrenamtliche Lehrkräfte ein. Die Culture and Free Thought Association führt weiter medizinische Untersuchungen für Frauen durch und betreibt eine Frauenklinik in Gaza-Stadt, die täglich bis zu 180 Patientinnen versorgt.
Wasser, Lebensgrundlagen und Unterstützung im Westjordanland
medico-Partner Al-Ard repariert beschädigte Brunnen, baut neue Anlagen und nutzt Solarpaneele zur Aufrechterhaltung der Versorgung mit sauberem Wasser. Im Westjordanland unterstützt medico das Kulturzentrum Jadayel bei der Instandsetzung beschädigter Häuser. Gemeinsam mit lokalen Initiativen werden bedürftige Familien und gestrandete Arbeiter aus Gaza mit warmen Mahlzeiten und Lebensmittelpaketen versorgt. Genossenschaften des Popular Art Centre verbinden Betroffene mit solidarischen Communities, die ihre Lebensgrundlagen sichern.
Misereor
Misereor arbeitet im Gazastreifen mit bewährten Partnerorganisationen, darunter Pontifical Mission Palestine. Sobald humanitärer Zugang besteht, stellen die Partner vorrangig Lebensmittel, Hygieneartikel und witterungsfeste Ausstattung bereit, damit Familien vor Kälte und Nässe geschützt sind. Logistik und Verteilstrukturen sind vorbereitet, damit Hilfe geordnet ankommt.
Psychosoziale Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien
In laufenden Programmen bieten die Partner psychosoziale Begleitung, Therapieangebote sowie sichere Freizeit- und Lernräume. Diese Maßnahmen werden bedarfsorientiert ausgeweitet, um Stabilität, Schutz und grundlegende Betreuung zu sichern.
Wasser und Infrastruktur – Fortsetzung bei Materialzugang
Mehrere Infrastrukturprojekte bestehen bereits. Ein Vorhaben zu Wasserentsalzungsanlagen ist derzeit pausiert, weil Materialien den Gazastreifen nicht erreichen. Sobald Lieferungen möglich sind, werden die Maßnahmen fortgesetzt, um verlässlich sauberes Wasser bereitzustellen.
Perspektive Wiederaufbau
Der Umfang einer Beteiligung an Wiederaufbaumaßnahmen hängt von Zugang, Sicherheit und Bedarfslage ab und wird mit den Partnern abgestimmt. Planungen liegen vor und können bei Öffnung der Zugänge umgesetzt werden.
Oxfam
Oxfam und lokale Partner leisten inmitten der fast vollständigen Abriegelung lebensrettende Hilfe. Die Teams arbeiten in Nord- und Süd-Gaza sowie dort, wo Zugang möglich ist, und verlagern ihre Einsätze flexibel dorthin, wo die Not am größten ist.
Wasser, Sanitär, Hygiene (WASH)
Oxfam liefert sauberes Wasser an Gemeinden, hält Wasserbrunnen in Betrieb, saniert Leitungsnetze und fördert Hygienemaßnahmen. Seit Beginn des Krieges erreichten die WASH-Programme über 800.000 Menschen. Wo Versorgungslücken bestehen, stellen die Teams Wasserkanister und Hygiene-Kits bereit.
Ernährungssicherheit
Oxfam versorgt Familien in Gaza-Stadt mit Nahrungsmittelhilfe. Im vergangenen Monat erhielten über 2.000 Familien Lebensmittelgutscheine, weitere Verteilungen sind im Süden geplant. Die Gutscheine decken den Grundnahrungsbedarf für etwa 10 bis 15 Tage. Wo es die Lage zulässt, unterstützt Oxfam zusätzlich kleine Küchengärten und lokale Lebensmittelproduktion zur Stärkung der Selbstversorgung.
Schutz und psychosoziale Unterstützung
Gemeinsam mit Partnerorganisationen bietet Oxfam psychologische Erste Hilfe, psychosoziale Angebote für Kinder und Erwachsene sowie rechtliche Beratung. Spezialisierte Teams unterstützen Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt durch Fallmanagement und Verweisstrukturen und stärken die Kapazitäten lokaler Organisationen.
Mehrzweck-Bargeldhilfe (MPCA)
Um Familien schnell und bedarfsgerecht zu entlasten, stellt Oxfam elektronische, multisektorale Geldleistungen bereit. So können Betroffene prioritär Lebensmittel, Medikamente oder Brennstoff beschaffen.

LKW mit zahlreichen Hilfslieferungen | © Oxfam
Plan International
Plan International arbeitet gemeinsam mit ihren Landesablegern Plan Ägypten und Plan Jordanien im Gazastreifen. Der Fokus liegt auf Bildung in Notsituationen, Grund- und Gesundheitsversorgung sowie gezielter Nahrungsmittelhilfe. Frühere Hilfen wie Lebensmittelpakete, warme Mahlzeiten, Winter- und Hygienekits werden fortgeführt, zugleich wurden die Programme inhaltlich und logistisch ausgebaut.
Plan Ägypten unterstützt Grundschulkinder in Notsituationen. Lernlücken werden mit spielerischen und informellen Methoden geschlossen, täglich finden psychosoziale Angebote sowie Gesundheits- und Ernährungsmaßnahmen statt. Parallel stärkt Plan das Al-Amal-Gesundheitszentrum im Middle Governorate. Das Zentrum zählt zu den wenigen funktionierenden primärmedizinischen Einrichtungen und behandelte 3.561 Patient:innen im Juni, 4.780 im Juli und 4.750 im August. Die Zahl der Unterernährungsfälle stieg im Verlauf, Maßnahmen werden laufend angepasst.
Plan bringt zudem Lebensmittel per Lkw nach Gaza und verfügt hierfür über die notwendigen Genehmigungen. Die Pakete wurden gemeinsam mit der National Alliance an Plan- und Sphere-Standards ausgerichtet. Ein Paket versorgt einen Fünf-Personen-Haushalt sechs Tage lang und liefert insgesamt 66.548 Kilokalorien mit ausgewogener Zusammensetzung aus Getreide, Proteinen und Fetten.
Plan Jordanien konzentriert sich auf umfassende Unterstützung vertriebener Familien. Geleistet werden standardisierte Hilfspakete mit Unterkunft, Lebensmitteln und Winterbedarf. Zielgruppe sind 13.200 Familien mit insgesamt rund 66.000 Menschen. Um die medizinische Basisversorgung aufrechtzuerhalten, begleitet Plan die Verlegung und den Betrieb einer Gesundheitseinrichtung der Partnerorganisation Juzoor. So bleibt die Versorgung für etwa 61.000 Menschen gesichert.
Welthungerhilfe
Behandlung von Mangelernährung und Betreuung in Ernährungszentren
Die Welthungerhilfe arbeitet mit den Partnern Juzoor und CESVI unter extremen Bedingungen weiter. Drei Ernährungszentren – zwei in Deir al-Balah und eines in Khan Younis – sind in Betrieb; evakuierte Standorte wurden durch temporäre Ernährungsstellen in Gaza-Stadt ersetzt. Seit Januar 2025 wurden mehr als 24.300 schwangere und stillende Frauen sowie Kinder unter fünf Jahren auf Mangelernährung untersucht. Über 5.450 Menschen erhielten eine Behandlung, zusätzlich nahmen mehr als 10.200 an Aufklärungssitzungen zu Ernährung teil.
Wasser, Sanitär und geplante Ausweitung der Hilfe
Zur Stabilisierung der Grundversorgung sichern Welthungerhilfe und CESVI sauberes Trinkwasser und funktionsfähige Sanitäranlagen in Ernährungszentren, temporären Anlaufstellen und überfüllten Lagern für Binnenvertriebene. Von diesen Maßnahmen profitieren derzeit rund 37.500 Menschen. Um die Hilfe auszuweiten, prüft die Welthungerhilfe zusätzliche Unterstützung für Familien mit schwer mangelernährten Kindern, etwa in Form von Lebensmittelgutscheinen. Parallel wird ein Pilotprojekt mit zwei gemeinschaftlichen Backöfen vorbereitet, um lokale Versorgungskapazitäten zu stärken; der Baubeginn ist für Ende Oktober vorgesehen. Hilfsgüter sind in Lagern in Jordanien vorpositioniert und können bei Zugang sofort nach Gaza gebracht und verteilt werden. Geplant sind Lieferungen von Hygieneartikeln, Nahrungsmitteln, Matratzen sowie Spezialnahrung für unterernährte Kinder.
Ihre Spende für die Nothilfe in Südostasien
Bündnis Entwicklung Hilft – Gemeinsam für Menschen in Not e.V.
IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000
BIC: BFSWDE33BER
Bank für Sozialwirtschaft




























