On the Road – gegen Tuberkulose und Covid-19 in Indien

24. März 2021

Mitarbeitende des Projekts informieren Trucker in Indien über die Infektionskrankheit Tuberkulose und bieten bei einer Infektion Unterstützung zur Behandlung. © Nai DISHA / DAHW
© Nai DISHA / DAHW

Tuberkulose gilt zwar weithin als längst „besiegt“, dennoch stellt die Erkrankung nach wie vor ein großes Gesundheitsproblem dar und ist immer noch die am häufigsten zum Tode führende Infektionskrankheit weltweit. Am 24. März 2021 ist Welttuberkulosetag. Unser Mitglied DAHW berichtet über die Krankheit und die Möglichkeiten der Prävention. Die DAHW ist unter anderem in Indien aktiv und arbeitet gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen an der Prävention und Behandlung von Tuberkulose.

 

Was ist Tuberkulose und was macht die Krankheit zur Herausforderung?

Tuberkulose wurde früher auch als „Schwindsucht“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die Lungen befällt und unbehandelt zum Tod führen kann. Tuberkulose ist nach wie vor eine der tödlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Tuberkulose betrifft vor allem Menschen, die aufgrund ihrer sozioökonomischen, kulturellen und umweltbezogenen Lebensbedingungen zu den Schwächsten in einer Gesellschaft zählen und besonders vulnerabel sind. Die Infektion bleibt oft unerkannt und unbehandelt. Zudem ist in den letzten Jahren ein rapider Anstieg von Resistenzen gegen die Antibiotika-Therapie zu verzeichnen. Das macht die Therapien langwierig, für Patient:innen belastend und teuer. Der Anstieg von Resistenzen ist unter anderem auf die hohen Kosten der Behandlung zurückzuführen, welche häufig zu einem frühzeitigen Abbruch der Antibiotika-Therapie führen. Nach einer rechtzeitigen Diagnose dauert eine konsequente Behandlung der Tuberkulose zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Das ist insbesondere für Menschen mit hoher Mobilität und schlechten sozioökonomischen Lebensbedingungen eine Herausforderung hinsichtlich der finanziellen und zeitlichen Umsetzbarkeit von Therapien.

Jährlich infizieren sich circa zehn Millionen Menschen mit der Infektionskrankheit, etwa 1,4 Millionen sterben jedes Jahr an den Folgen der Erkrankung. Indien gehört zu den Ländern mit der höchsten Verbreitung – allein 2019 gab es dort 2.640.000 Neuerkrankungen. Gerade unter LKW-Fahrern in Indien ist die Krankheit verbreitet.

 

Warum sind LKW-Fahrer in Indien besonders anfällig für Tuberkulose-Erkrankungen?

Mit einem Beitrag von circa fünf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt sind Indiens rund sechs Millionen Trucker ein Motor der indischen Wirtschaft. Die Fahrer sind, bedingt durch lange Fahrzeiten, ungesunde Ernährung, einem Mangel an Bewegung und ungenügender Hygiene zwecks mangelhafter Sanitär-Einrichtungen entlang der Fahrtrouten, oft in einem schlechten Gesundheitszustand und damit anfälliger für Tuberkulose. Aufgrund ihrer beruflichen Mobilität haben sie zudem weniger Zugang zu medizinischer Versorgung.

 

Was kann gegen die besondere Gefährdung der LKW-Fahrer getan werden?

Wir haben im Mai 2019 gemeinsam mit GRLA India unter dem Motto „On the road to ending TB“ ein Tuberkulose-Projekt in Indien gestartet, welches sich gezielt an LKW-Fahrer und ihr berufliches Umfeld richtet. An den drei stark frequentierten Umschlagsplätzen Jaipur, Agra und Lucknow in Nordindien informieren Mitarbeitende des Projekts “New Distinct, Integrated Social Health Action“ (Nai DISHA) über die Krankheit und bieten Einzelberatungen für LKW-Fahrer an. Mit den Kampagnen sollen die Millionen Trucker im Land für die Krankheit und mögliche Präventionsmaßnahmen sensibilisiert werden. Zudem erhalten die Trucker über das Projekt Zugang zur Untersuchung und Behandlung im Rahmen eines staatlichen Tuberkulose-Hilfsprogramms. Damit Behandlungsabbrüche und in der Folge multiresistente Tuberkuloseformen verhindert werden, erhalten Fahrer mit diagnostizierter Tuberkulose per Mobiltelefon Erinnerungen an die Einnahme ihrer Medikamente. Darüber hinaus schließt das Projekt auch die Kontaktnachverfolgung in den Familien und Gemeinden der Betroffenen mit ein.

Das Projekt wird von der Deutsche Bahn Stiftung gGmbH gefördert. Die Stiftung hat die Mittel dem Bündnis Entwicklung Hilft, bei dem die DAHW seit vielen Jahren Mitglied ist, zur Verfügung gestellt.

 

Welche Erfolge und welche Herausforderungen gibt es, auch im Rahmen der Corona-Pandemie?

Nai DISHA hat mittlerweile große Anerkennung unter den Fahrern, ihrem Umfeld und wichtigen Interessensgruppen erzielt. Die umfassenden Aufklärungskampagnen haben das Verständnis von Tuberkulose in den Zielgruppen signifikant erhöht. Fahrer mit Verdacht auf Tuberkulose konnten identifiziert und untersucht werden. Nach erfolgten Diagnosen konnten auch die Behandlungen der entdeckten Erkrankungen erfolgreich begonnen werden. Zusätzlich informieren die Projektmitarbeitende über die Bedeutung von Hygienemaßnahmen. Dies ist auch im Hinblick auf die Corona-Pandemie von besonderer Bedeutung. Doch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben auch unmittelbaren Einfluss auf die Tuberkulose-Präventionsarbeit. So beeinträchtigte der in Indien verordnete Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Mobilität der Trucker. Die telefonische Kontaktaufnahme konnte aufrechterhalten werden, das Screening von Tuberkulose-Verdachtsfällen und die Fortsetzung der Behandlung der bestätigten Fälle wurden jedoch erschwert. Dazu kommt, dass sich Covid-19-Infektionen und Tuberkulose-Erkrankungen hinsichtlich der Symptome häufig ähneln. Die Angst unter den Truckern, aufgrund einer vermeintlichen Covid-19-Infektion ausgegrenzt oder entlassen zu werden, erschwert die Identifizierung von Tuberkulose-Erkrankten zusätzlich. Doch die Mitarbeitenden von GLRA India bleiben weiterhin aktiv und tun ihr Möglichstes, um Tuberkulose sowie Covid-19-Erkrankte zu versorgen.