„In Moria haben wir glasklare Menschenrechtsverletzungen gesehen“

30. September 2020

Einen Tag vor dem EU-Sondergipfel rufen die humanitären Organisationen des Bündnis Entwicklung Hilft und das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum (IFHV) die EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, den Weg zu einer glaubhaften europäischen Asylpolitik einzuschlagen und das politische Taktieren zu beenden.

„Dass Menschen in überfüllten Camps wie Moria aufgrund ihrer katastrophalen Lebensbedingungen höchst verwundbar sind, war bereits vor dem verheerenden Brand mehr als offensichtlich“, sagt Peter Mucke, Geschäftsführer des Bündnis Entwicklung Hilft. „Die EU-Mitgliedsstaaten müssen endlich Verantwortung übernehmen und menschenwürdige Lebensbedingungen für Geflüchtete schaffen, anstatt sie von einer untragbaren Situation in die nächste zu drängen.“

Bündnis Entwicklung Hilft und das IFHV haben die besondere Verwundbarkeit von Geflüchteten in ihrem kürzlich veröffentlichten WorldRiskReport 2020 mit dem Schwerpunkt „Flucht und Migration“ aufgezeigt. Der Bericht war vor politischen Entscheidungsträger*innen präsentiert worden, kurz bevor die EU-Kommission in der letzten Woche ihren neuen Migrationspakt vorgelegt hat.

Der WorldRiskReport führt die hohe Verwundbarkeit von Geflüchteten unter anderem auf den Mangel an Versorgung und rechtlicher Sicherheit zurück. „In Moria haben wir glasklare Menschenrechtsverletzungen gesehen: des Rechts auf Freiheit und des Rechts auf Gesundheit. Ja sogar das Recht auf Leben und die Würde von Menschen stehen dort auf dem Spiel”, sagt Prof. Dr. Pierre Thielbörger, Direktor des IFHV und Mitherausgeber des Berichts. „Nicht nur Griechenland, sondern die gesamte europäische Staatengemeinschaft muss die Situation gemeinsam durch staatenübergreifende Kooperation und Unterstützung angehen.“

Das IFHV hat für den WorldRiskReport den WeltRisikoIndex 2020 berechnet. Er gibt für 181 Länder das Risiko an, dass dort ein extremes Naturereignis zu einer Katastrophe führt. Als extreme Naturereignisse berücksichtigt der WeltRisikoIndex Erdbeben, Stürme, Dürren, Überschwemmungen und den Meeresspiegelanstieg. In der Berechnung des WeltRisikoIndex wird die Gefährdung durch extreme Naturereignisse mit der gesellschaftlichen Verwundbarkeit kombiniert. Europa weist aktuell insgesamt das niedrigste Katastrophenrisiko aller Kontinente auf.

Bündnis Entwicklung Hilft gibt den WorldRiskReport seit 2o11 jährlich heraus, seit 2018 zusammen mit dem IFHV. Der WeltRisikoIndex wurde gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) entwickelt.

Hinweise an Redaktionen:

Für telefonische Interviews stehen folgende Expert*innen zur Verfügung:

  • Peter Mucke, Geschäftsführer, Bündnis Entwicklung Hilft
  • Katrin Radtke, Professorin für Humanitäre Hilfe und Katastrophenprävention, Ruhr-Universität Bochum
  • Wolf-Christian Ramm, Vorstandsvorsitzender, Bündnis Entwicklung Hilft
  • Dr. Pierre Thielbörger, Geschäftsführer IFHV, Ruhr-Universität Bochum

Infografiken, Kartenmaterial und weitere Bilder des Berichts können Sie gerne bei uns anfordern. Den vollständigen Bericht finden Sie zum Download unter WorldRiskReport.org