Lage in Mossul bleibt auch nach der Rückeroberung vom IS prekär

3. August 2017

Eine Mutter mit ihrer Tochter im Flüchtlingslager Zilkan, 60 Kilometer entfernt von Duhok. © Stanislav Krupar/Welthungerhilfe

Am 9. Juli erklärte der irakische Premierminister Haider al-Abadi den Sieg über den Islamischen Staat in Mossul. Bilder von feiernden Soldaten bestimmten die Medienbilder nach der Rückeroberung. Die Lage der Bevölkerung aber bleibt prekär. Tausende haben in der vom Krieg zerstörten Stadt und Region alles verloren und benötigen Unterstützung. Unsere Mitgliedsorganisationen Misereor und Welthungerhilfe sind vor Ort und leisten Hilfe.

Seit Juni 2014 war die zweitgrößte Stadt des Iraks vom Islamischen Staat (IS) besetzt. Im Oktober 2016 startete die militärische Offensive zur Rückeroberung der Stadt unter Führung der irakischen Regierung. Seit dem Beginn der militärischen Offensive vor neun Monaten sind über 900.000 Menschen aus Mossul geflohen. Nun kehren täglich Menschen in die Stadt und in die umliegenden Dörfer zurück. Von einem Ende der humanitären Krise aber kann keine Rede sein, die Sicherheitslage bleibt schwierig und der Konflikt ist noch nicht gelöst. Die Menschen haben enorm unter den zwei Jahren IS-Herrschaft gelitten, viele sind traumatisiert. Ihre Häuser sind oftmals zerstört, der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist nicht gewährleistet, die Stromversorgung in vielen Teilen der Stadt beschädigt und unterbrochen. Stephanie Binder vom Bündnis-Mitglied Welthungerhilfe war Ende Juli vor Ort: „In einem Dorf bei Mossul habe ich zurückgekehrte Familien getroffen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser mehr haben. In vielen Dörfern hat der IS auf seinem Rückzug absichtlich Leitungen und Tanks zerstört. Viele Eltern berichteten mir, dass ihre Kinder unter chronischem Durchfall und Magenbeschwerden leiden.“

Weiterhin sind über drei Millionen Irakerinnen und Iraker im eigenen Land vertrieben, viele von ihnen sind vor dem IS in die kurdischen Gebiete geflohen. Bedingungen für eine sichere Rückkehr in ihre Heimat sind nicht geschaffen. Minen und andere Sprengkörper in Mossul und umliegenden Regionen stellen nur eine der Gefahren dar. Dazu kommen immer wieder vereinzelte Gefechte und Kämpfe.

Die Menschen brauchen dringend Nahrung, Wasser und Hygieneartikel. Die Infrastruktur muss instand gesetzt und wieder aufgebaut werden. Um das Land langfristig wiederaufzubauen und gewaltvollen Auseinandersetzungen in Zukunft entgegen zu wirken, ist aber auch die Verständigung und Beteiligung aller Bevölkerungsgruppen von zentraler Bedeutung.

Unsere Mitgliedsorganisationen Misereor und Welthungerhilfe und ihre einheimischen Partner unterstützen Rückkehrer und Binnenvertriebene. Sie fordern die Konfliktparteien auf, den Schutz von Zivilisten einzuhalten und eine sichere Rückkehr der Binnenvertriebene in ihre Heimat zu ermöglichen. In der Region nordöstlich der Stadt Mossul verteilt die Welthungerhilfe Hilfspakete mit Decken, Trinkwasserkanistern, Koch- und Essgeschirr, Waschmittel, Seife sowie Babykits. Sie liefert mit LKWs Wasser in abgelegene Gegenden und repariert zerstörte Wasserleitungen und Pumpen. Soweit es die lokalen Märkte zulassen, plant die Welthungerhilfe in der Zukunft Bargeldhilfen und Gutscheinsysteme einzusetzen, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln. Misereor hat seit dem Anfang der Offensive begonnen vor allem Basisgesundheitsdienste aufzustocken und die psychologische Erstversorgung für Binnenvertriebene zu stärken. So werden mobile Gesundheitsdienste in entlegenen Dörfern des Amadiya-Distrikts sowie ein Krankenhaus im Distrikt Sinjar finanziell unterstützt. Zusammen mit der Jihan-Foundation bietet Misereor in den Städten Erbil, Dohuk, Kirkuk, Sulaymaniyah, Halabja und Chamchamal medizinische Basisversorgung sowie psychotherapeutische Behandlungen an.

 

Mehr Informationen:

Misereor: Irak – Unterstützung von langjährigen Partnern
Welthungerhilfe: Flucht aus Mossul