Klimagerechtigkeit jetzt! Die Forderungen unserer Mitglieder zur 26. Klimakonferenz

1. November 2021

Wenn eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad beibehalten werden soll, müssen aktuelle Klimaschutzbemühungen versiebenfacht werden, ermittelt ein neuer UN-Bericht kurz vor Beginn der 26. Klimakonferenz (COP26) in Glasgow. Ein weiterer Anstieg der Erderwärmung trifft vor allem die Menschen im Globalen Süden und stellt die Arbeit unserer Mitglieder und ihrer Partner vor neue Herausforderungen. 

2,7 Grad. Laut derzeitigem Stand der Erkenntnisse ist das die Erderwärmung, auf die wir zusteuern, sollten nicht konsequent weltweit Klimaschutzbemühungen umgesetzt werden. 2,7 Grad bedeutet nicht nur eine drastische Zunahme an Wetterextremen, wie Dürren und Überschwemmungen, sondern auch eine Zunahme an Nahrungsmittelknappheit, damit einhergehender Hunger und voraussichtlich kriegerische Konflikte um Ressourcen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden zusätzlich bestehende soziale Sicherungssysteme belasten. Der Globale Süden trägt hierbei die Hauptlast einer Krise, die überwiegend von Ländern des Globalen Nordens verursacht wird. Klimagerechtigkeit sieht anders aus. Sie kann nur dann erreicht werden, wenn sich die Hauptverursacherstaaten ihrer Verantwortung für einen globalen und solidarischen Kampf gegen die Folgen des Klimawandels nicht weiter entziehen.

Auch auf die Projekte unserer Mitglieder und ihrer Partnerorganisationen hat die Klimakrise bereits jetzt Auswirkungen. Besonders die Bekämpfung von Hunger, bedingt durch die Zunahme von klimatischen Extremen, rückt dabei immer stärker in den Fokus ihrer Hilfsmaßnahmen. Der Südsudan erlebt derzeit die stärksten Überschwemmungen seit 60 Jahren. Über 700.000 Menschen sind direkt betroffen. Ernten wurden komplett zerstört mit negativen Auswirkungen auf die zunehmende Ernährungsunsicherheit. Im Irak und Simbabwe werden in Projekten von Oxfam und Brot für die Welt Kleinbäuer:innen neue Wege der Landwirtschaft und nachhaltige Anbaumethoden gezeigt. Beide Länder erleben durch ausbleibenden Regen derzeit immer mehr Ernteausfälle. Die Stärkung von klimafreundlichem Anbau, ist ein wesentlicher Bestandteil für präventive Maßnahmen gegen weitere Klimafolgen.

Im Süden Madagaskars, der seit drei Jahren von einer schweren Dürre betroffen ist, sind 1,1 Millionen Menschen auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen. Ein Anstieg der Lebensmittelpreise und unterbrochene Lieferketten sorgen zusätzlich für eine Verknappung von Nahrungsmitteln. Unser Mitglied Welthungerhilfe unterstützt dort etwa 1.000 Haushalte mit Lebensmitteln und durch die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser. Viele Regionen sind jedoch, auch aufgrund der pandemischen Lage, für Helfer:innen nur schwer erreichbar.

Die Klimakrise darf nicht auf den Rücken der Ärmsten und Vulnerabelsten ausgetragen werden. So fordern unsere Mitglieder unter anderem, dass die Industrieländer und ihre Klimaziele bis 2030 konsequenter verfolgen, CO2- und andere Treibhausgasemissionen drastischer reduzieren und insbesondere Länder finanziell und strukturell unterstützt werden müssen, die am stärksten von den Klimafolgen betroffen sind. Zusätzlich soll der Ausbau von Klima- und Katastrophenrisikofinanzierung zur Stärkung von Präventivmaßnahmen vorangetrieben werden.

Auch die neue Bundesregierung ist in der Verantwortung, Klimaschutz ehrgeiziger zu betreiben und dabei nicht nur kurzfristigen Partikularinteressen nachzugehen. Noch immer fließen zu viele Gelder in klimaschädliche Technologien und Wirtschaftszweige. Eine Abschaffung von Staatsausgaben, die diese Technologien subventionieren, ist daher dringend notwendig.

Ob die COP26 mit zielorientierten Ergebnissen enden wird, ist bislang noch unklar. Doch die Zeit für reine Lippenbekenntnisse ist vorbei. Die Vertreter:innen sollten nicht vor schweren Entscheidungen zurückschrecken, denn mehr denn je ist es wichtig, sich an die Ziele des Pariser Abkommens zu halten und keine Zeit mehr verstreichen zu lassen. Ein weiteres Zögern hätte nur noch radikalere Maßnahmen zur Folge. Die 26. Klimakonferenz sollte daher die Weichen für eine weltweite, gerechte Klimapolitik stellen, die allen und nicht nur wenigen zugutekommt und ein weiterer Schritt nach vorne sein.

Weitere Informationen zu den Forderungen unserer Mitglieder finden Sie hier:

Brot für die Welt: Die Ärmsten trifft der Klimawandel am härtesten

Misereor: Gerecht ist klüger

Plan International: Klimakrise in Sambia und Simbabwe trifft Mädchen und junge Frauen besonders stark

Welthungerhilfe: COP26: Klimaschutz und Anpassungsfinanzierung sind wichtigste Aufgaben

Oxfam: Planet in Flammen