Corona-Pandemie

Mit vereinten Kräften gegen das Virus

Kinder mit Masken sitzen auf einem Tisch.
Jugendliche aus Karatschi, Pakistan dokumentieren wie das Coronavirus ihren Alltag verändert. Das Projekt ist Teil einer Journalismus-Fortbildung, organisiert durch die terre des hommes-Partnerorganisation »Lyari's Girls‘ Café«. © Lyari's Girls‘ Café / terre des hommes
Rote Kreise auf dem Boden vor einem Geschäft dienen zur Abstandshaltungen
Rote Markierungen auf dem Boden vor einem Geschäft in Karatschi, Pakistan weisen auf die Abstandsregelungen hin. © Lyari's Girls‘ Café / terre des hommes
Brasilien_Auch Indigene trifft die Corona-Krise auf besondere Weise. Hier protestieren sie f├╝r eine bessere Gesundheitsversorgung in Bras├¡lia, M├ñrz 2019 ┬® Tiago Miotto_Cimi
Indigene Gruppen protestieren in Brasília für eine bessere Gesundheitsversorgung. © Tiago Miotto / Cimi / Misereor
Person in Schutzausrüstung klärt über Covid-19 auf.
Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe unterstützt Corona-Schulungen für Gesundheitspersonal in Afghanistan. © DAHW
Mitarbeiter verteilt Schutzmasken und Infomaterial zu Covid-19 an Arbeiterinnen in Dhaka, Bangladesch
Am Stadtrand der bangladeschischen Hauptstadt Dhaka verteilen lokale Mitarbeiter:innen der German Doctors Atemschutzmasken und Aufklärungs-Broschüren zum Coronavirus an die in der Bekleidungsindustrie arbeitenden jungen Männer und Frauen. © German Doctors e.V.
Schriftzüge auf den Boden rufen in Bangladesch zur Ausgangssperre auf. Offiziell bezeichnet die Regierung die Sperre als landesweiten Urlaub. © Barcik / Misereor
Mitarbeiter:innen verteilen Hygiene-Sets im Bezirk Zinda Jan in der afghanischen Provinz Herat. © terre des hommes
Mann in Schutzkleidung desinfiziert Waschräume in
Im Kampf gegen Corona desinfizieren medico-Partner in Rojava Waschräume. © Rojava Information Center / medico international
Mitarbeiter von German Doctors hält Informationsblatt zu Covid-19 hoch.
Mit einer elektronischen Rickshaw fahren lokale Mitarbeiter:innen abgelegene Dörfer im Umland Kalkuttas an. Dort klären sie vor allem die vielen Wanderarbeiter in den Ziegeleien mittels Megafon und Flugblättern über das richtige Verhalten zur Eindämmung der Corona-Pandemie auf. © German Doctors e.V.
Personal anPersonal mit Schutzmasken hinter einem Gesundheitsstand. itspersonal Besucher*innen die Vorsorgemaßnahmgegen das Corona-Virus.
Vor einem Bürgeramt in Ichhakamana in Nepal erklärt Gesundheitspersonal Besucher:innen die Vorsorgemaßnahmen gegen das Corona-Virus. © Welthungerhilfe
Kinder waschen sich Hände an Handwaschstation.
In einer Grundschule in Butembo in der DR Kongo lernen Kinder, wie sie sich zur Verhinderung von Krankheiten richtig die Hände waschen. © Brot für die Welt
Frau verteilt Broschüren an Autofahrerinnen.
Informationsmaterial klärt über das Virus und Maßnahmen zur Eindämmung auf. © Rojava Information Center / medico international
Gruppe von Menschen verteilen Handwaschanlagen.
In Sierra Leone werden in Dörfern an der Grenze Handwaschstationen aufgebaut. © Welthungerhilfe

In der anhaltenden Corona-Krise haben immer mehr Menschen überall auf der Welt mit den gesundheitlichen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie zu kämpfen. Millionen Menschen verlieren ihre Arbeit und ihren Lohn und können ihre Familien nicht mehr versorgen, Menschen leiden an Armut und Hunger, Kinder können nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen, die Wirtschaft bricht dramatisch ein, lokale Nahrungsmittelpreise steigen und Gesundheitssysteme sind überfordert. Die Zahl der Neuinfektionen steigt in vielen Ländern derzeit wieder stark an – ein Ende der Krise ist weiterhin nicht in Sicht. Auch wenn das Virus vor Grenzen nicht Halt macht und die Pandemie Menschen rund um den Globus vor extreme Herausforderungen stellt, sind die Risiken nicht überall gleich verteilt. Die Lebensbedingungen, unter denen es die Menschen trifft, sind höchst unterschiedlich. In vielen Ländern des Globalen Südens verschärft das Coronavirus bereits bestehende Krisen und führt dadurch vielerorts zu einer Krise in der Krise.

Die Sorge vor einer weiteren Ausbreitung des Virus in den Projektländern unserer Mitgliedsorganisationen ist groß. Die weitreichenden Folgen der Pandemie befeuern die wachsende soziale Ungleichheit und führen zu politischen Spannungen. Unter den Folgen leiden besonders Menschen, die schon ohne Corona unter prekären Bedingungen leben, wie häufig Frauen und Mädchen, informell Beschäftigte in Landwirtschaft und Textilbranche, Menschen mit körperlichen und gesundheitlichen Einschränkungen und Migrant:innen. In überfüllten Geflüchtetencamps zum Beispiel ist es für die Menschen schlicht nicht möglich, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Zudem erschweren die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in den Projektländern teils die Versorgung der Menschen mit Hilfsgütern wie etwa Medikamenten, Nahrungsmitteln, Wasser und Seife.

Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern arbeiten die Bündnis-Mitglieder daran, ihre Unterstützung für Menschen in Not überall auf der Welt so gut es geht fortzuführen sowie einer Verschärfung der Situation in den Projektländern entgegenzuwirken. Sie sind in mehr als 60 Ländern aktiv und haben zahlreiche Projekte gestartet, wie zum Beispiel die folgenden:

  • Brot für die Welt hat frühzeitig auf die Corona-Krise reagiert und die Projektarbeit angepasst. In Liberia wird beispielsweise in Zusammenarbeit mit einer lokalen Partnerorganisation vermehrt Aufklärungsarbeit über die Verbreitung des Coronavirus, die Symptome, den Krankheitsverlauf sowie effektive Präventionsmaßnahmen betrieben.
  • In Bangladesch organisiert die Organisation Centre for Disability in Development (CDD), Partner der Christoffel-Blindenmission, Aufklärungskampagnen zum Coronavirus. Ein eigens gegründetes Katastrophenmanagement-Komitee, in dem Menschen mit Behinderungen mitwirken, verteilt selbstgenähte Schutzmasken und Pandemie-Infomaterial.
  • Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) unterstützt in Brasilien die Informationsverbreitung zum Coronavirus. Es werden Informationsvideos in indigenen Sprachen erstellt, um die indigene Bevölkerung über Übertragungswege und mögliche Schutzmaßnahmen wie „Social Distancing“ zu informieren.
  • In Griechenland ist die Gesundheitssituation in den überfüllten Geflüchtetencamps besorgniserregend. Platzmangel und schlechte Hygienebedingungen erhöhen die Ansteckungsgefahr. Die Kindernothilfe unterstützt die Menschen mit Hygieneartikeln und lebensnotwendigen Nahrungsmitteln. In Workshops mit Kindern und Jugendlichen wird über die wichtigen Hygieneregeln informiert.
  • medico international ist unter anderem in El Salvador aktiv. Der lokale Partner Aprocsal hat einen umfangreichen Aktionsplan entwickelt, der Aufklärung über das Virus, Prävention und Erhebung von Risikogruppen in den Gemeinden und eine kritische Begleitung der staatlichen Maßnahmen gegen die Pandemie umfasst. Zudem hat Aprocsal mit Unterstützung von medico ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung für die ärmere Bevölkerung gestartet.
  • In Zusammenarbeit mit der Partnerorganisation National Peace Council (NPC) verteilt Misereor in Sri Lanka dringend benötigte Nahrungsmittel sowie Schutzmasken und fördert die interreligiöse Zusammenarbeit in der Corona-Krise. In lokalen Komitees leisten Menschen ganz unterschiedlichen Glaubens gemeinsam schnelle Hilfe für Menschen, die von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen sind.
  • Auch Plan International ist in verschiedenen Projektländern wie etwa dem Senegal darum bemüht, die Ausbreitung von Covid-19 zu verlangsamen. Zu diesem Zweck werden Hygiene- und Aufklärungsmaßnahmen ausgeweitet. In Schulen, Geflüchtetencamps und Gesundheitszentren werden leicht zu bauende Waschstationen, sogenannte „Tippy Taps“, errichtet.
  • In Peru hilft terre des hommes Kindern und ihren Familien, die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu meistern. Die Partnerorganisation MANTHOC klärt über das Virus auf und unterstützt Familien, die aufgrund der Krise in wirtschaftliche Abhängigkeit geraten sind, mit Lebensmitteln. Zudem erhalten Familien Unterstützung, sich für staatlichen Hilfsprogramme zu registrieren.
  • Die langjährige Erfahrung der Welthungerhilfe im Bereich Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH) ist im Kontext der Pandemie von Vorteil. In Burundi werden Regenwasser-Sammelsysteme aufbereitet, Waschstationen an Schulen errichtet und Schulkinder über effektive Infektionsschutzmaßnahmen aufgeklärt.
  • Durch die Pandemie werden medizinische Hilfsmaßnahmen von German Doctors vor große Herausforderungen gestellt. Auf den Philippinen sind ausgebildete lokale Gesundheitshelferinnen, unterstützt durch medizinische Beratung aus Deutschland, weiterhin tätig und versorgen marginalisierte  Bevölkerungsgruppen medizinisch. Zudem erhalten besonders Schutzbedürftige Nahrungsmittelpakete.
  • In der Corona-Krise kann Oxfam auf langjährige Erfahrung zurückgreifen, die zum Beispiel im Kampf gegen Ebola gewonnen wurde. Im Geflüchtetencamp Rhino in Uganda werden die Bewohner:innen mit sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen versorgt. Ein „Hygiene-Club“ klärt Kinder in Gesprächen und Theaterstücken über Präventionsmaßnahmen auf und stärkt so die Selbsthilfekräfte.
Weltkarte mit Hilfsmaßnahmen Bündnis-Mitglieder

Mehr zum Thema

Interview: Corona-Krise in Brasilien: Arme Bevölkerung besonders gefährdet

Pressemeldung: Gemeinsam gegen Corona: Solidarisch und präventiv

Syrien / Irak

Syrien / Irak: Vertriebene brauchen weiter Hilfe

Anhaltender Starkregen im Januar 2021 überflutete ein Geflüchtentencamp in Nordwestsyrien. © Welthungerhilfe
Ein vollkommen zerstörter Straßenzug in der syrischen Stadt Homs. © Christoph Püschner/Brot für die Welt
Eine Gruppe jesidischer Flüchtlinge sitzt innerhalb einer Siedlung von Hausrohbauten im Nordirak
Eine Gruppe jesidischer Flüchtlinge sitzt innerhalb einer Siedlung von Hausrohbauten im Nordirak © Imke Lass/ Welthungerhilfe
Shayma’a und ihre Familie leben seit 5 Jahren in einem Camp für Geflüchtete in Azraq in Jordanien. Mit der Corona-Pandemie hat sich der Alltag im Camps sehr verändert,  Shayma'a ist gezwungen in der kleinen Unterkunft zu bleiben, die sich mit ihren Eltern und Brüden teilt, und sich von Freund:innen zu isolieren.

In einem Camp für Geflüchtete im Irak finden Kinder Räume, um zu  spielen und lernen. © Jessica Prentice / terre des hommes

Helfende vom Kurdischen Halbmond versorgen Verletzte in einem Krankenhaus. © medico international
Kinder Unterricht Libanon
Syrische Kinder im Unterricht im Libanon © Kindernothilfe

Zehn Jahre dauert der Krieg in Syrien nun an. Für die betroffenen Menschen bedeutet das zehn Jahre Leid, Gewalt, Zerstörung und Vertreibung. Eine ganze Generation wächst im Krieg heran. Etwa 5,6 Millionen Menschen aus Syrien sind in die umliegenden Länder Jordanien, Libanon, Türkei und Irak oder weiter geflohen. Knapp sieben Millionen Menschen suchen innerhalb Syriens Schutz – das ist die höchste Zahl an Binnenvertriebenen weltweit. Insgesamt hat bislang über die Hälfte der syrischen Bevölkerung Vertreibung und Flucht erlebt – häufig bereits zum zweiten oder dritten Mal. 

Laut UN-Angaben sind derzeit 13 Millionen Syrer:innen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen spricht aktuell von der schlimmsten Hungerkrise in Syrien seit Ausbruch des Krieges. Angesichts anhaltender bewaffneter Auseinandersetzungen kommt es weiterhin zu Völkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen. Die humanitäre Notversorgung der Menschen wird zudem regelmäßig durch die Konfliktparteien erschwert, indem Hilfsorganisationen der Zugang zu Menschen in Not gezielt verwehrt wird. Andauernde Unsicherheit, fehlende medizinische Versorgung, der häufige Ausfall der Strom- und Wasserversorgung, Einschränkungen im öffentlichen Leben, Arbeitslosigkeit und ständig steigende Preise für Lebensmittel sind längst Alltag für die Menschen. 

Auch im Irak ist die humanitäre Lage weiterhin prekär. Zwar hat sich die Situation nach dem offiziellen Sieg über den sogenannten Islamischen Staat 2017 etwas entspannt, trotzdem sind weiterhin mehr als vier Millionen Menschen im Land auf humanitäre Hilfe angewiesen. Aufgrund der Gewalt im Land sind mehr als eine Million Menschen intern vertrieben – der Großteil dieser Menschen ist bereits seit mehreren Jahren auf der Flucht.  

Im Winter erschwert die Kälte in beiden Ländern die Versorgung der Menschen zusätzlich. Es mangelt an Unterkünften, Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln. Durch die Corona-Pandemie hat sich die ohnehin prekäre wirtschaftliche und gesundheitliche Situation weiter verschlechtert – nur etwa die Hälfte aller Gesundheitseinrichtungen in Syrien ist noch in Betrieb. Sollten sich die neuen gefährlicheren Virusvarianten in den zahlreichen und dicht besiedelten Geflüchtetencamps in Syrien, Irak oder den Nachbarländern ausbreiten, drohen dramatische Folgen.  

Obgleich das vergangene Jahr von weniger gewaltsamen Kriegshandlungen geprägt ist als die Vorjahre, war 2020 aufgrund von Armut, Hunger und Krankheit dennoch eines der schwierigsten Kriegsjahre für die syrische Bevölkerung seit Ausbruch des Konflikts vor zehn Jahren  auch 2021 verspricht derzeit keine BesserungDie unsichere Gesamtlage, weiterhin zerstörte und kaputte Infrastruktur sowie fehlender Lebensunterhalt behindern die Rückkehr von Menschen in ihre Heimat 

 

Die Bündnis-Mitglieder sind seit vielen Jahren in Syrien, im Irak und den Nachbarländern mit zahlreichen Projekten aktiv und leisten Nothilfe für die Betroffenen. In den Aufnahmeländern achten die Partnerorganisationen darauf, auch arme und benachteiligte Bevölkerungsschichten des Landes in die Maßnahmen einzubeziehen, um Konflikte zu verhindern und die Akzeptanz untereinander zu stärken. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnerorganisationen verteilen sie Nahrungsmittelpakete, Wasser, Kanister und Hygienesets. In den kalten Jahreszeiten verteilen die Bündnis-Mitglieder zudem warme Kleidung, Decken, Brennstoff und Heizgeräte. In einigen Orten, an denen Güter auf dem lokalen Markt weiterhin verfügbar sind, werden außerdem Gutscheine für Lebensmittel verteilt.

Neben der Versorgung mit Hilfsgütern des täglichen Bedarfs unterstützen die Bündnis-Mitglieder Gesundheitseinrichtungen in Syrien und den Nachbarländern. Die oft nur provisorisch errichteten Einrichtungen erhalten zum Beispiel finanzielle Zuschüsse, Medikamente, einfache medizinische Geräte und Betten für die Versorgung der Kranken und Verwundeten. Da viele Menschen, vor allem Kinder, extreme Belastungen durchlebt haben und traumatisiert sind, legen die Bündnis-Mitglieder und ihre Partner außerdem großen Wert auf psychosoziale Betreuungs- und Beratungsangebote. Sie finanzieren dabei psychosoziale Freizeit- und Lernangebote für Kinder, Beratungsangebote für Frauen in Gemeindezentren ebenso wie individuelle Traumatherapien bei psychologisch geschultem Fachpersonal.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Projektarbeit ist die Bildungsarbeit. Die geförderten Maßnahmen reichen von der Bezahlung von Schulgeld, Schuluniformen und Unterrichtsmaterialien über die Förderung der Einrichtung von provisorischen Schulen bis hin zur Finanzierung und Organisation von informellen Bildungsangeboten in Geflüchtetencamps. Alle Aktivitäten werden von lokalem Fachpersonal durchgeführt, das in den Bereichen Kinderschutz, Kinderrechte und psychosoziale Betreuung ausgebildet wurde. Für Erwachsene unterstützen die Bündnis-Mitglieder weiterbildende Aktivitäten in unterschiedlichen Bereichen. Sie können zum Beispiel an Internet- und Computer-Trainings, Englisch- und Literaturkursen oder Workshops zu Hygiene und Frauenrechten teilnehmen.

Länderprofil Syrien

Bevölkerung: 16,91 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 185,2 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Risiko: 6,03 % (mittel)
Exposition: 10,80 % (gering)
Vulnerabilität: 55,87 % (hoch)

Länderprofil Irak

Bevölkerung: 38,43 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 435,1 Tsd km²

WeltRisikoIndex 2020

Risiko: 5,99 % (mittel)
Exposition: 10,78 % (gering)
Vulnerabilität: 55,69 % (hoch)

Mehr zum Thema

Rechenschaftsbericht: 10 Jahre Flucht und Vertreibung. Unsere Hilfe in Syrien und Irak.

Pressemeldung: Syrien: Europäischer Kurswechsel jetzt

Pressemeldung: Nordsyrien: Humanitäre Hilfe für Zivilbevölkerung ausweiten

Rohingya

Hilfe in den Aufnahmecamps

Eine Gruppe von Rohingya läuft mit Gepäck nehmen einem kleinen Fluss entlang
Rohingya haben die Grenze nach Bangladesch erreicht. In Bangladesch suchen sie Schutz vor Gewalt und Unterdrückung in ihrem Heimatland Myanmar. © D. Pilar/ Welthungerhilfe
Provisorische Hütten der Rohingya im Süden von Bangladesch
Im Süden von Bangladesch in der Region Cox's Bazar sind einfache Notunterkünfte für die geflüchteten Rohingya errichtet worden. © Kindernothilfe
Geflüchtete Rohingya stehen in einer Warteschlange für die Ausgabe von Hilfsgüter in einem Aufnahmecamp in Bangladesch
Bedürftige stellen sich für Hilfsgüter im Aufnahmecamp in Leda an. Sie erhalten Hilfsgüter wie Trinkwasser, Nahrungsmittel und Hygieneartikel. © Welthungerhilfe
Eine Gruppe von Kindern sitzt an einem großen Tisch und isst
Kinder bekommen in Kinderschutzzentren eine warme Mahlzeit. © Kindernothilfe
Mehrere Männer stehen vor einem Baugerüst aus Bamus im Schlamm
Die Unterkünfte reichen nicht aus. Im Schlamm bauen Männer Behausungen aus Bambus und Plastikplanen für neu ankommende Flüchtlinge. © CDD/CBM
Arzt untersucht kleines Kind auf dem Arm seiner Mutter in einer provisorischen Gesundheitsstation
In kleinen Gesundsheitsstationen von NGOs erhalten die Menschen eine medizinische Grundversorgung und Medikamente. © CDD/CBM

Seit Ende August 2017 mussten schätzungsweise 745.000 Menschen der Minderheit Rohingya vor massiver Gewalt und Menschenrechtsverletzungen aus ihrem Heimatland Myanmar fliehen. Ein Großteil verharrt seither in überfüllten Geflüchtetencamps in der Region Cox’s Bazar im Süden von Bangladesch. Die humanitäre Lage in den Camps ist auch nach Jahren dramatisch. Zwar sind Hilfsorganisationen vor Ort, jedoch gibt es zu wenig Platz und Kapazitäten, um alle Menschen in den Camps angemessen zu versorgen und zu schützen. Dazu kommt, dass im Sommer und Herbst in Bangladesch Regenzeit ist. In dieser Zeit steigt die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen durch heftige Regenfälle und tropische Wirbelstürme. In den provisorischen Behausungen sind die Menschen diesen extremen Naturereignissen besonders ausgesetzt.

Nach Schätzungen der UN befanden sich bereits vor der großen Fluchtbewegung Mitte 2017 rund 210.000 Rohingya in Bangladesch – die Ersten flüchteten bereits in den 1970ern. Laut offiziellen Angaben sind aktuell etwa 860.000 geflüchtete Rohingya in Bangladesch, die meisten von ihnen leben in mehreren Geflüchtetencamps in Cox’s Bazar. Das Land ist jedoch überfordert mit der Versorgung der geflüchteten Rohingya. Bangladesch zählt zu einem der ärmsten Länder Südasiens, etwa 21 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze. Das Risiko, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird, ist laut WeltRisikoIndex, sehr hoch. Ende 2020 hat die Regierung Bangladeschs mit der Umsiedlung zahlreicher geflüchteter Rohingya auf eine Insel vor der Küste Bangladeschs begonnen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren diesen Schritt, die Menschen gegen ihren Willen und ohne unabhängige Überprüfung der vorherrschenden Bedingungen umzusiedeln. Am 22. März 2021 hat ein verheerender Großbrand ganze Teile der Camps in Cox’s Bazar zerstört –zahlreiche Unterkünfte und Versorgungseinrichtungen sind zerstört und tausende Rohingya direkt betroffen.

Unsere Bündnismitglieder und ihre lokalen Partnerorganisationen sind in den Camps in Cox’s Bazar aktiv und unterstützen die Versorgung der geflüchteten Rohingya. Sie stellen lebensnotwendige Güter bereit und haben Wasserstellen, mobile Toiletten und Duschen aufgebaut. Um dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen, organisieren die Bündnismitglieder und ihre lokalen Partner Hygiene-Schulungen. In errichteten Gesundheitszentren werden die Menschen medizinisch versorgt und erhalten bei Bedarf psychosoziale Beratung. Besonders wichtig ist die Versorgung der vielen Kinder und Jugendlichen. In Kinder- und Jugendschutzeinrichtungen in den Camps werden die Heranwachsenden psychologisch betreut und für Ihre Rechte sensibilisiert. Zudem wird ein gemeindebasiertes Kinderschutzkomitee aufgebaut und Lehrkräfte ausgebildet. Die Bündnis-Mitglieder und ihre lokalen Partner verteilen zudem Nahrungsmittel, helfen bei der Suche nach Familienangehörigen, schaffen Bildungs- und Freizeitangebote, bieten Schutz und psychologische Betreuung an.

Um die Menschen in den Camps besser vor Erdrutschen während der Monsun- und Zyklonzeit zu schützen, werden Behausungen und Wege befestigt. Darüber hinaus werden Sandsäcke gegen Überschwemmungen bereitgestellt. Durch verunreinigtes Wasser kommt es in Folge von Überschwemmungen schneller zur Ausbreitung von Krankheiten wie Cholera. Dagegen werden neue tiefere Latrinen gebaut, um zu verhindern, dass diese überlaufen und sich Krankheiten ausbreiten.

Im Kontext der verheerenden Brände werden nun zusätzliche Bedarfe geprüft und entsprechende Maßnahmen auf den Weg gebracht.

Länderprofil Bangladesch

Bevölkerung: 161,36 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 147,6 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Risiko: 16,40 % (sehr hoch)
Exposition: 28,28 % (sehr hoch)
Vulnerabilität: 57,98 % (hoch)

Länderprofil Myanmar

Bevölkerung: 53,71 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 676,5 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Risiko: 7,18 % (mittel)
Exposition: 12,96 % (mittel)
Vulnerabilität: 55,39 % (hoch)

Mehr zum Thema

Interview mit Nazmul Bari und Broja Gopal Saha: „Man muss sich das Ausmaß der Krise bewusst machen.“

Blogbeitrag Thomas Seibert: „Angekündigter tausendfacher Tod“

Libanon

Libanon - Hilfe nach verheerender Explosion in Beirut

MitarbeiterInnen packen Lebensmittelpakete für Bedürftige in Beirut.
Mitarbeiter:innen der Oxfam-Partnerorganisation KAFA packen Lebensmittelpakete für Familien, die besonders stark von den Auswirkungen der Explosion betroffen sind. © Sam Tarling / Oxfam
Mitarbeiterin von Oxfam packt Lebensmittelpakete für Bedürftige in Beirut
Zeina el Masry, Mitarbeiterin von KAFA, verteilt zusammen mit ihrem Team und Freiwilligen die Pakete an Betroffene. Bei der Explosion haben schätzungsweise mehr als 300 000 Menschen ihr Zuhause verloren. © Sam Tarling / Oxfam
Eine Straßenszene in Beirut nach der verheerenden Explosion
Erste Hilfsmaßnahmen nach den Zerstörungen in Beirut. © Amel / medico international
Der zerstörte Hafen in Beirut
Zerstörter Stadtteil in Beirut. © Amel / medico international
Eine Mitarbeiterin verteilt Desinfektionsmittel an Kinder
Eine Mitarbeiterin eines lokalen Partner verteilt Desinfektionsmittel an Kinder, die in geschützten Räumen Spiel- und Lernangebote wahrnehmen können. © terre des hommes
Mitarbeiterinnen tragen Besen und Räumwerkzeug durch die Straßen Beiruts.
Lokale Partner leisten Soforthilfe und versorgen die Bevölkerung unter anderem mit Lebensmitteln, Decken und Hygieneartikeln. © terre des hommes
Helferinnen räumen die Straße nach Explosion in Beirut
Krise in der Krise. Während der Aufräumarbeiten tragen die Helfer:innen Masken zum Schutz vor dem Coronavirus. © Lehmann / Welthungerhilfe
Zertörte Straße in Beirut nach Explosion im Hafen
Das Ausmaß der Zerstörung ist immens: Bis zu 300.000 Menschen sind obdachlos. © Lehmann / Welthungerhilfe
Wiederaufbau nach Explosion in Beirut im College du Sacre Coeur
Aufräumarbeiten im Collège du Sacré Coeur. Auch Krankenstationen, Schulen sowie Sozialzentren sind schwer beschädigt. © Corrou / JRS
Zerstörtes Haus in Beirut, gegenüber des Hafens
Dieses Haus, das gegenüber des Hafens liegt, ist unbewohnbar geworden. © Uckrow / Misereor

Am Abend des 4. August 2020 erschütterte eine gewaltige Explosion die libanesische Hauptstadt Beirut. In einem Lagerhaus im Hafen Beiruts entzündete ein Brand, dessen Ursache noch nicht abschließend geklärt ist, 2.750 Tonnen hochexplosives Ammoniumnitrat. Die durch die Detonation ausgelöste Druckwelle hat im Umkreis von fünf Kilometern verheerende Schäden angerichtet. Mehr als 200 Menschen sind dabei ums Leben gekommen. Über 6.000 Personen wurden verletzt, etwa 300.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren. Wegen des Ausmaßes der Zerstörung dauerte die Suche nach Verwundeten und Verschütteten mehrere Tage an. Viele der umliegenden Krankenhäuser wurden schwer beschädigt, andere waren angesichts der großen Anzahl an Verletzten stark überlastet.

Die Situation wird zudem durch die anhaltende politische und wirtschaftliche Krise erschwert. Bereits vor den Explosionen waren viele Menschen durch die Pandemie in eine prekäre Lage geraten. Als Reaktion auf die Katastrophe kam es vielerorts zu Massenprotesten gegen die Regierung. Für viele Libanes:innen war die Explosion das Ergebnis jahrelangen Staatsversagens. Die Corona-Pandemie verschärfte die Krise im Land weiter, vor allem für die Menschen, die ohnehin schon in prekären Verhältnissen leben wie die knapp zwei Millionen überwiegend syrischen Schutzsuchenden im Libanon. In den Camps und informellen Siedlungen, in denen die meisten Geflüchteten leben, fehlt es häufig schon an rudimentären Versorgungsstrukturen wie einer sicheren Wasser- und Sanitärversorgung. Auch die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist dort besonders hoch. Die Krise im Libanon trifft vor allem die Schwächsten der Gesellschaft. Die Bündnis-Mitglieder und deren Partner unterstützen die Menschen vor Ort in ihrem Bestreben, die Lebensbedingungen langfristig zu verbessern.

Unsere Mitgliedsorganisationen arbeiteten bereits vor der Katastrophe eng mit lokalen Partnern zusammen. Diese Zusammenarbeit mit lokalen Kräften sorgte dafür, dass Hilfsbedarfe schnell ermittelt und erste Soforthilfemaßnahmen unmittelbar eingeleitet werden konnten. Neben der Soforthilfe fokussiert sich die Arbeit unserer Mitglieder und ihrer Partner auf Maßnahmen, die auf eine langfristige Verbesserung der Lebensbedingungen abzielen. Dabei spielen vor allem die Instandsetzung und der Wiederaufbau von Wohnhäusern, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen eine zentrale Rolle. Folgende Hilfsmaßnahmen wurden darüber hinaus umgesetzt:

  • Partner von Brot für die Welt entsandten Pflegepersonal sowie psychosoziale Helfer:innen, um bei der gesundheitlichen Versorgung der Betroffenen zu unterstützen. Durch die Errichtung einer Gemeinschaftsküche konnten insgesamt 1.000 Personen mit einer warmen Mahlzeit und Nahrungsmitteln durch die lokalen Partner versorgt werden.
  • Partner von medico International riefen noch am Abend der Katastrophe zu Blutspenden auf und versorgten Verwundete in denen von der Partnerorganisation gegründeten mobilen Kliniken. Freiwillige Helfer:innen unterstützten bei der Beseitigung von Trümmerteilen.
  • Besonders verwundbare Familien erhielten von Partnern der Welthungerhilfe Unterstützung durch Bargeld, um das tägliche Überleben zu sichern. Dazu zählen mindestens 500 Personen, darunter Wanderarbeiter:innen, die unter prekären Verhältnissen leben sowie geflüchtete Palästinenser:innen und Syrer:innen.
  • In Stadtvierteln mit hoher Armutsquote unterstützt Misereor den Wiederaufbau und die Reparatur von Wohnungen sowie die Instandsetzung der zerstörten Krankenhäuser Geitawi-Hospital und Rosary Sisters-Hospital.
  • Unser assoziiertes Mitglied Oxfam fördert lokale soziale Unternehmen mit technischer und finanzieller Hilfe und unterstützt so zivile Kräfte beim Wiederaufbau und einer langfristigen Verbesserung der Lebensverhältnisse.
  • Geschulte Helfer:innen der Partnerorganisation von terre des hommes bieten in neu errichteten oder unversehrten Gemeindezentren psychosoziale Hilfe für Kinder und Jugendliche an.
  • In einem Projekt der Kindernothilfe wird Eltern veranschaulicht, wie sie nach der Katastrophe die psychische Gesundheit ihrer Kinder schützen können. Dabei wird zudem über COVID-19 aufgeklärt und gezeigt, wie eine Ansteckung vermieden werden kann.
  • In den schwer beschädigten Stadtteilen Gemmayzeh, Mar Mikhael, Ashrafieh und Karantina verteilt Plan International Schulmaterial und Spielzeug, denn auch dies wurde bei der Explosion zerstört.

Länderprofil Libanon

Bevölkerung: 6,85 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 10,5 Tsd km²

WeltRisikoIndex 2020

Risiko: 5,27 % (gering)
Exposition: 11,43 % (gering)
Vulnerabilität: 46,08 % (mittel)

Mehr zum Thema

Pressemeldung: Libanon – Humanitäre Hilfe wegen Staatsversagen

Ihre Spende hilft

Wirbelstürme Südostafrika

Hilfe in Mosambik, Malawi und Simbabwe nach Idai und Kenneth

Der Starkegen in Folge der Wirbelstürme Idai und Kenneth hat teilweise ganze Landstriche unter Wasser gesetzt und die Lebensgrundlage von zehntausenden Menschen zerstört. © Plan International
Die Überschwemmungen und die starken Windböen richteten massive Schäden an der Infrastruktur an, es wurden Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Brücken zerstört. © terre des hommes
Die DAHW unterstützt an Lepra- und Tuberkulose erkrankte Menschen, deren Behandlung durch die Zyklone unterbrochen wurde. Die betroffenen Menschen erhalten unter anderem Nahrungsmittelpakete. © DAHW
Im Distrikt Nhamatanda nordwestlich von Beira werden Nahrungsmittel verteilt. © Welthungerhilfe
Nach der akuten Versorgung der Betroffenen steht nun der Wiederaufbau der zehntausend zerstörten Häuser im Vordergrund. © terre des hommes
Im Distrikt Bikita im Osten von Simbabwe ermittelt die CBM den Hilfsbedarf von betroffenen Familien und unterstützt den Wiederaufbau. © CBM
In der Stadt Chimoio im Westen Mosambiks werden zerstörte Saniträranlagen bereits wieder aufgebaut. © terre des hommes

In der Nacht vom 14 bis 15. März 2019 zog Wirbelsturm Idai mit Windböen von über 160 km/h und Starkregen über die Küste Südostafrikas. Er brachte Überschwemmungen mit sich und verwüstete ganze Landstriche in Mosambik, Malawi und Simbabwe. Mindestens 650 Menschen kamen dabei ums Leben und weitere 1600 wurden verletzt. Die Überschwemmungen richteten massive Schäden an der Infrastruktur an, es wurden Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser, Straßen und Brücken zerstört. Mindestens 90.000 Menschen waren gezwungen ihre Häuser zu verlassen. Zudem erschwerten zerstörte Straßen die Versorgung der Menschen mit Hilfsgütern. Menschen in abgelegenen Gebieten konnten nur aus der Luft oder durch Boote erreicht und versorgt werden. Der anhaltende Starkregen schwemmte mindestens 500.000 Hektar Ackerfläche weg und vernichtete viele Ernten.

Circa sechs Wochen später, am 25. April 2019 zog ein weiterer Wirbelsturm über die Küste von Mosambik. Etwas weiter nördlich als Wirbelsturm Idai traf er auf Land. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist Kenneth mit Windböen mit bis zu 220 km/h der stärkste Wirbelsturm, der den afrikanischen Kontinent je getroffen hat. Infolge von Kenneth kam es zu weiteren 45 Todesfällen und mehr als 18.000 Binnenvertriebenen. Insgesamt gerieten durch den Wirbelsturm weitere 374.000 Menschen in Mosambik in Not.

Der Verlust der Ernten hat die ohnehin schon schwierige Ernährungssituation von Teilen der Bevölkerung verschärft. Es wird dauern bis eine neue Aussaat erntereif ist und sich die Menschen wieder selbst versorgen können. Insgesamt waren in den drei Ländern mehr als 1. Mio. Menschen von den Folgen des Wirbelsturms betroffen.

Durch die langjährige Kooperation der Bündnis-Mitglieder mit lokalen Partnerorganisationen in Mosambik, Simbabwe und Malawi konnten die Bündnis-Mitglieder die Hilfsbedarfe in den betroffenen Regionen in den drei Ländern schnell identifizieren und erste Hilfsmaßnahmen auf den Weg bringen. Zunächst standen die Rettung und akute Versorgung der Menschen im Mittelpunkt. Auch Monate nach der Katastrophe leisten die Bündnis-Mitglieder noch Nothilfe und versorgen Menschen mit lebensnotwendigen Hilfsgütern. Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, erhalten Trinkwasser, Lebensmittel, Kleidung Moskitonetze, Zelte oder Planen. Um Krankheiten entgegenzuwirken, werden Hygieneartikel und Tabletten für die Wasseraufbereitung verteilt. Zudem leisten Gesundheitsteams medizinische Nothilfe. Die Bündnis-Mitglieder starteten zum Beispiel die folgenden Hilfsmaßnahmen:

  • Plan International und seine Partner beteiligten sich daran Menschen, die von den Wassermassen eingeschlossen waren per Boot in Sicherheit zu bringen.
  • terre des hommes hat in Kooperation mit seiner lokalen Partnerorganisation Schutzräume in Mosambik und Simbabwe eingerichtet, in denen Kinder mit Nahrungsmittel und Hygieneartikeln versorgt sowie psychosoziale betreut werden. Sozialarbeiter:innen erhalten Trainings zum Thema Kindesschutz.
  • medico international unterstützt Gesundheitspfleger:innen in den betroffenen Gemeinden mit Hygieneartikeln.
  • Die Christoffel-Blindenmission und ihre lokalen Partner fokussieren ihre Hilfsmaßnahmen im Osten von Simbabwe, besonders auf den Bedarf von Menschen mit Behinderungen, die in schwer zugänglichen Gebieten leben und während des Zyklons verletzt wurden oder ihre Hilfsmittel verloren haben.
  • Die DAHW unterstützt mit ihren lokalen Partnern an Lepra- und Tuberkulose erkrankte Menschen, deren Behandlung durch die Zyklone unterbrochen wurde. Die betroffenen Menschen werden medizinisch versorgt und erhalten Nahrungsmittelpakete und Baumaterialien.
  • In Simbabwe unterstützt Misereor den Wiederaufbau der Wasserversorgung an einem Krankenhaus sowie die Instandsetzung von beschädigten Bewässerungsanlagen.
  • In Mosambik verteilt die Welthungerhilfe mit ihren lokalen Partnern Baumaterialen, damit die Menschen mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser beginnen können. Außerdem werden Saatgut und landwirtschaftliche Geräte bereitgestellt.
  • In Malawi verteilt die Kindernothilfe neben Material für Dächer auch Zement an die betroffenen Familien, die dann von Handwerker:innen aus der Region Unterstützung bei der Reparatur von ihren Häusern bekommen.

Länderprofil Mosambik

Bevölkerung: 29,50 Mio Einwohner:innen (2018)
Fläche: 801.590 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Icon Mensch rosa Risiko: 9,18 (hoch)
Icon Blitz hellrose Exposition: 13,31 (mittel)
Icon Kreuz magenta Vulnerabilität: 68,97 (sehr hoch)

Länderprofil Malawi

Bevölkerung: 18,14 Mio Einwohner:innen (2018)
Fläche: 118.484 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Icon Mensch rosa Risiko: 8,89 (hoch)
Icon Blitz hellrose Exposition: 13,22 (mittel)
Icon Kreuz magenta Vulnerabilität: 67,24 (sehr hoch)

Länderprofil Simbabwe

Bevölkerung: 14,54 Mio Einwohner:innen (2018)
Fläche: 390.757 Tsd. km²

WeltRisikoIndex 2020

Icon Mensch rosa Risiko: 9,32 (hoch)
Icon Blitz rosa Exposition: 14,62 (mittel)
Icon Kreuz magenta Vulnerabilität: 63,76 (sehr hoch)

Mehr zum Thema

Interview: Nach Zyklon Idai. Eindrücke aus Mosambik

Meldung: Nach den Wirbelstürmen

Tsunamis Indonesien

Nach den Beben: Soforthilfe und Wiederaufbau in Indonesien

Zerstörung Erdbeben Indonesien
Überlebende überblicken in Petobo in Sulawesi die Zerstörung durch die Beben und den Tsunami. © Welthungerhilfe
Zerstörung im Bezirk Sigi durch den Tsunami © Khadafi Badjerey und Yunardin/Misereor
Männer vor zerstörtem Haus durch Erdbeben
Zusammen mit dem Dorfvorsteher analysieren lokale Mitarbeiter der CBM die Zerstörung und ermitteln die Hilfsbedarfe im Dorf Salua. © CBM
Überlebende des Erdbebens in provisorischen Unterkünften außerhalb der Stadt Palu © Irwan Firdaus/Oxfam
Frauen in einfachen Draußenküchen nach Erdbeben Sulawesi
In einfachen Draußenküchen können Betroffene ihre Mahlzeiten zubereiten und das Erlebte gemeinsam aufarbeiten. © medico international
Medizinische Teams untersuchen und versorgen Betroffene in Dörfern um Palu. © CBM
Frauen in Workshop in Indonesien
Lehrerinnen erhalten Training zu Kinderrechten und Trauma-Arbeit. © Kindernothilfe

Indonesien liegt am pazifischen Feuerring. Immer wieder treffen extreme Naturereignisse das Land. Sie kosten Menschenleben und verursachen massive Schäden. Indonesien hat eine sehr hohe Exposition gegenüber extremen Naturereignissen (siehe WeltRisikoIndex 2018). Der Inselstaat ist vor allem durch Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche und den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Zwar konnte die Verwundbarkeit in den letzten Jahren verringert werden, aber sie bleibt hoch. Eine Stärkung der Katastrophenvorsorge ist daher weiterhin zentral, um Schäden in Zukunft zu verringern.

Am 28. September 2018 erschütterte ein schweres Erdbeben der Stärke 7,4, gefolgt von 76 Nachbeben, die indonesische Insel Sulawesi. Die Erdbeben lösten einen Tsunami aus, der die Küstenstadt Palu mit bis zu 3 Meter hohen Wellen traf. Durch sogenannte Bodenverflüssigung wurden ganze Dörfer im Schlamm begraben. Vor allem in der Provinz Zentralsulawesi richteten die Erdbeben und der Tsunami massive Zerstörung an: Insgesamt kamen mehr als 2.100 Menschen ums Leben, 4.400 wurden schwer verletzt. Mehr als 130.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Hilfs- und Rettungsarbeiten wurden erheblich erschwert, weil Straßen und Brücken zerstört waren. Einige Regionen waren für mehrere Tage komplett von der Versorgung und Kommunikation abgeschnitten.

Drei Monate später, in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember 2018, löste ein Vulkanausbruch und ein Erdrutsch unter Wasser in der Meerenge zwischen den indonesischen Inseln Java und Sumatra einen weiteren Tsunami aus. Mehr als 400 Menschen wurden in den angrenzenden Küstenregionen durch den Tsunami getötet, 9000 wurden verletzt. Rund 16.000 Menschen mussten vor den Wassermassen fliehen. Viele Häuser wurden zerstört.

Die Bündnis-Mitglieder und ihre lokalen Partner leisten in den betroffenen Regionen Soforthilfe. Zudem unterstützen sie den Wiederaufbau und stärken mit längerfristigen Projekten die Katastrophenvorsorge. Hilfreich war hierbei, dass viele Mitgliedsorganisationen schon im Vorfeld der Katastrophe Kontakte zu lokalen Organisationen auf Sulawesi sowie in Java und Sumatra hatten, sodass erste Hilfsmaßnahmen schnell auf den Weg gebracht werden konnten. Unsere Mitgliedsorganisationen starteten zum Beispiel die folgenden Hilfsmaßnahmen:

  • Mit Unterstützung von Brot für die Welt verteilte die lokale Partnerorganisation Nothilfepakete an Menschen in den betroffenen Gebieten auf Sumatra. Schwangere Frauen, Frauen mit Kleinkindern, alte Menschen und Menschen mit Behinderung wurden bei der Verteilung besonders berücksichtigt. Sie erhielten Babynahrung, Wäsche (insbesondere Unterwäsche), Monatsbinden und weitere Hygieneartikel und Haushaltsutensilien.
  • Partner der Welthungerhilfe stellten mit LKWs für 780 Familien in Sigi, Palu und Donggala 60 Tage lang sauberes Wasser zur Verfügung. Sie verteilten Chlortabletten an Familien, um sicheres Wasser auch längerfristig zu gewährleisten. Zudem errichteten die Partner in Notunterkünften Latrinen mit Klärgruben und Waschbecken.
  • medico international und sein lokaler Partner organisierten in öffentlichen Küchen in Palu und Umgebung die Zubereitung von Nahrungsmitteln für über 5.000 Menschen. Betroffene Familien in abgelegenen Dörfern an Javas Westküste erhielten zudem je einen 80l Eimer gefüllt mit Nahrungsmitteln und notwendigen Alltagsgegenständen, wie beispielsweise Kochgeschirr, Decken und Insekten­schutzsprays.
  • Die CBM und ihr Partner verteilten medizinische Hilfsmittel wie zum Beispiel Krücken oder Rollstühle in Palu und Sigi Distrikt in Zentralsulawesi. Medizinische Teams versorgten Verletzte und körperlich beeinträchtigte Menschen. Mithilfe von barrierefreien Zugängen wird den Begünstigten zudem der schwierige Weg zu Latrinen und Wasserentnahmestellen vereinfacht.
  • terre des hommes unterstützte in Palu die Errichtung von drei Kinderschutzzentren. Geschulte Mitarbeiter:innen von terre des hommes und seinem Partner bieten dort für circa 800 Kinder professionelle psychosoziale Betreuung an und begleiten sie bei der Verarbeitung des Erlebten. In Evakuierungspunkten richteten sie zudem Anlaufstellen zur Meldung von Kindesschutzvergehen ein.
  • Die Kindernothilfe konzentriert sich darauf, betroffene Kinder möglichst schnell in den Schulunterricht zurückzuführen. Mit ihrem Partner organisierte sie Trauma- und Bildungsworkshops für rund 600 Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen an Vor- und Grundschulen auf Sulawesi. Die Workshops gaben Einführungen in die Themen Kinderrechte und Trauma und enthielten Übungen zum Umgang mit traumatisierten Kindern.
  • Die DAHW führte auch nach dem Erdbeben ihre Projektarbeit für Menschen mit Lepra und Tuberkulose in Palu und Donggala fort. Gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation prüfte sie nach der Katastrophe die Lebenssituation von Erkrankten und stellte die Weiterführung ihrer lebensnotwendigen Therapie sicher, falls diese dazu nicht allein imstande waren.
  • Misereor und seine lokalen Partner errichten zusammen mit 570 betroffenen Dorfbewohner:innen 50 neue Häuser auf Sulawesi, die gegen kommende Naturgefahren resistenter sind. Um den Wiederaufbau nach den Bedürfnissen der Betroffenen auszurichten, werden die Dorfbewohner:innen aktiv in die Gestaltung einbezogen. Damit wird außerdem das Ziel verfolgt, dass kollektive Bewusstsein der Gemeinschaft für die Katastrophenvorsorge zu stärken.

Länderprofil Indonesien

Bevölkerung: 267,66 Mio. Einwohner:innen (2018)
Fläche: 1.904.569 km²

WeltRisikoIndex 2020

Icon Mensch rosa Risiko: 10,39 % (hoch)
Exposition: 20,97 % (sehr hoch)
Vulnerabilität: 49,54 % (hoch)

Mehr zum Thema

Interview: „Die Solidarität unter den Menschen ist sehr groß“

Blogbeitrag Nur Hidayati: Sulawesi nach dem Erdbeben und Tsunami – Traumatisiert und abgeschnitten

Hungerkrisen

Hilfe für die Dürreopfer: Überleben retten, Zukunft sichern

Mehrere bunt bekleidete Frauen stehen vor eine Hütte in einer dürren Umgebung
Dürre in der Region Awdal in Somaliland. © T. Rommel/ Welthungerhilfe
Wasser wird in einer Art Becken gelassen, im Hintergund stehen mehrere Menschen mit Kanistern
Der medico-Partner NAPAD organisiert Wassertransporte in die Dürre-Regionen in der Region Gedo in Somalia © A. Hersi / NAPAD
Eine Gruppe von Menschen steht in einer Warteschlange, vor Kanistern, Decken und Töpfen, die an die Wartenden verteilt werden.
Verteilung von Kanistern, Decken, Töpfen in einem Camp für Binnenflüchtlinge in Äthiopien. © T. Rommel/ Welthungerhilfe
Zwei Hände halten Erbsen, die vom Boden aufgesammelt wurden.
Zwei Jungen sammeln übrig gebliebene Erbsen nach der Lebensmittelverteilung im Südsudan. © S. Glinski/ Welthungerhilfe
Mehrere Kinder und Erwachsene stehen vor einem Brunnen mit Kanistern
In den Dürregebieten in Äthopien wird die Bohrung von Brunnen unterstützt, um die Wasserversorgung in den Dörfern längerfristig zu verbessern © G. Ehrler / Misereor
Vier Frauen arbeiten in einem Garten
Anwohnerinnen bei der Gartenarbeit im Zvidozvevanhu-Garten im Shurugwi-Distrikt in Simbabwe. © M. Zimjr/ terres des hommes

Die Lage

In Ostafrika, Nigeria, Niger und dem Jemen leiden weiterhin Millionen Menschen akut unter Hunger. Aufgrund von Dürre und chronischen Wassermangels können die Menschen ihre Felder nicht mehr bestellen, Ernteerträge gehen drastisch zurück und Nutztiere verenden. Die Menschen werden dazu gezwungen, auf unsichere Wasserquellen zurückzugreifen. Der Anstieg von Durchfallerkrankungen wie Cholera ist die Folge. Die wiederholt starken Dürreperioden lassen den Menschen kaum Möglichkeiten sich zu erholen, Viehzucht und Landwirtschaft langfristig wiederaufzubauen und gegen kommende extreme Naturereignisse zu schützen. Darüber hinaus führt der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion zu steigenden Nahrungsmittelpreisen. Insbesondere einkommensschwache Familien können sich nicht mehr ausreichend ernähren.

In Somalia, dem Südsudan, Nigeria, Niger und dem Jemen leiden die Menschen außerdem unter anhaltenden gewaltvollen Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Konfliktparteien. Staatliche Versorgungsstrukturen in den Ländern sind stark eingeschränkt oder komplett zerstört. Menschen müssen ihre Heimat verlassen, auf Suche nach Nahrung und Wasser und auf der Flucht vor Gewalt und Terror.

Ländergrafik

Die acht Bündnis-Mitglieder sind mit unterschiedlichen Hilfsmaßnahmen im Jemen, Niger, Nigeria und am Horn von Afrika aktiv. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnerorganisationen leisten sie akute Überlebenshilfe für Mensch und Tier und stärken mit längerfristigen Projekten die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften gegenüber Dürreperioden.

Mehr zum Thema

Meldung: Extreme Wetterereignisse zerstören Lebensgrundlagen und verschärfen Hunger

Ihre Spende hilft

Weltkarte des Risikos

Wie hängt das Katastrophenrisiko eines Landes mit der gesellschaftlichen Situation zusammen? Welchen Einfluss haben Faktoren wie Regierungsführung, Qualität des öffentlichen Gesundheitssystems, Umweltsituation und Bildungsniveau auf die Gefährdung eines Landes durch Naturkatastrophen?

Der WeltRisikoBericht versucht, Antworten auf diese Fragen zu geben. Der WeltRisikoBericht enthält den vom IFHV der Ruhr-Univeristät Bochum  berechneten WeltRisikoIndex. Der Index gibt für 181 Länder weltweit das Risiko an, Opfer einer Katastrophe in Folge von extremen Naturereignissen zu werden.

sehr gering
0,30 – 3,32
.

gering
3,33 – 5,68

mittel
5,69 – 7,71

hoch
7,72 – 10,98

sehr hoch
10,99 – 47,73

keine Daten

Weiterführende Information zur Berechnung des Index finden Sie auf der Website zum WeltRisikoBericht.

Mediathek

Aktuelle Publikationen

Alle Ausgaben des WeltRisikoBerichts und weitere Informationen finden Sie auf der Website zum WeltRisikoBericht.

Rechenschaftsberichte

Videos

Aufmerksamkeit geht, Not bleibt – Unsere Hilfe

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

Auf den Philippinen nach Taifun Haiyan 2013

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

10 Jahre nach dem Tsunami 2004

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden