Update: Dürre und Gewalt – Ostafrika steht vor der größten Hungersnot seit 60 Jahren

30. März 2017

In ostafrikanischen Ländern leiden nach Angaben der Vereinten Nationen ca. 22 Millionen Menschen akut an Hunger und Wasserknappheit. Besonders schlimm ist die Lage in Somalia, dem Südsudan und Simbabwe. Aber auch in Kenia und Äthiopien spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Das Bündnis Entwicklung Hilft engagiert sich umfangreich in Ostafrika. Zusammen mit ihren lokalen Partnern unterstützen die Bündnis-Organisationen vor Ort die Bevölkerung mit Nothilfemaßnahmen, meist Nahrungsmittelhilfen und Wasserversorgung, aber auch durch medizinische Hilfe und Hygienemaßnahmen, um der Ausbreitung von Krankheiten entgegen zu wirken.

Misereor

In drei Ländern Ostafrikas leistet Misereor gegenwärtig Nothilfe. In Kenia werden 1.400 Haushalte mit Trinkwasser versorgt, erhalten Diesel und Ersatzteile zum Betrieb von Wasserpumpen sowie Nahrungsmittel. Kooperationspartner vor Ort ist die Diözese Masarbit. In der Diözese Lodwar werden 5.500 Kinder an 15 Schulen mit Nahrungsmitteln versorgt. In die Projekte fließen jeweils 100.000 Euro.

Im Südsudan kümmern sich örtliche Partner von Misereor in vier Regionen, darunter auch die Hauptstadt Juba, um die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Decken und Kleidung. Derzeit stehen dafür 340.000 Euro zur Verfügung.

In Äthiopien werden etwa 2.500 Haushalte mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln sowie mit Futter für vom Hungertod bedrohte Tiere versorgt. Hier steht die extrem trockene „Dawa Zone“ im Fokus.  254.000 Euro konnte Misereor seinem lokalen Partner Idurus zur Verfügung stellen, was aber keinesfalls ausreichen wird.

CBM – Christoffel-Blindenmission Deutschland e.V. 

Die CBM engagiert sich aktuell in Äthiopien und Simbabwe. In Äthiopien sind, vornehmlich aufgrund der verzögerten Regenzeit und der dadurch bedingten Ernteausfälle, ca. zehn Millionen Menschen auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Mit ihrem lokalen Partner, der Organisation für Rehabilitation und Entwicklung in der Amhara-Region (ORDA), ermöglicht die CBM unter anderem die Schulspeisung von beinahe 24.000 Kindern und versorgt etwa 14.000 Haushalte mit Saatgut. Außerdem wurden Wasserstellen für 6.000 Menschen instand gesetzt oder neu gebaut.

In Simbabwe, einem Land, das schon seit Jahren mit den Folgen der Dürre kämpft, engagieren sich die CBM und ihr lokaler Partner vor allem für Menschen mit Behinderungen. Familien mit behinderten Angehörigen werden mit Nahrungsmitteln und Kinder mit Schulspeisungen versorgt. Zusätzlich verteilt der Projektpartner Kleinvieh an bedürftige Haushalte, richtet kommunale Gärten ein und bohrt Brunnen, die auch während der Trockenzeit nicht versiegen.

DAHW – Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

Eines der am schlimmsten von der Dürre betroffenen Länder ist der Südsudan. Wegen des andauernden Bürgerkrieges konnten viele Felder nicht bestellt werden, Ernten fielen aus. Die große Zahl von Binnenflüchtlingen erschwert die Situation zusätzlich und auch Hygienemaßnahmen können nur unzureichend umgesetzt werden. Die DAHW, die sich seit Jahren in Kooperation mit lokalen Partnern im Südsudan engagiert, schätzt, dass gegenwärtig etwa 5.000 Menschen an Lepra und weitere 50.000 Menschen an Tuberkulose erkrankt sind. Viele von ihnen leben in Regionen, die durch den Bürgerkrieg von der Versorgung abgeschnitten sind. Für diese Ärmsten und Schwächsten wird die DAHW als eine erste Notmaßnahme 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Auch die medizinische Arbeit soll ausgeweitet werden, damit die Menschen nicht nur satt, sondern auch gesund werden.

Kindernothilfe

Die Kindernothilfe vermeldete Anfang März, dass in Somalia bereits Menschen durch die aktuelle Notlage verhungert seien, darunter auch Kinder. In der Region sind viele Kinder durch Unterernährung so sehr geschwächt, dass selbst Durchfallerkrankungen lebensbedrohlich werden können. Auch wenn sie überleben, leiden die Kinder in späteren Jahren körperlich und geistig an den Folgen der Mangelernährung. In Somaliland setzt die Kindernothilfe daher gemeinsam mit ihrem lokalen Partner Candlelight 100.000 Euro Soforthilfe für altersgerechte Nahrung, sauberes Wasser und Hygienemaßnahmen ein.

medico international

Auch medico international engagiert sich in Somalia. Gemeinsam mit der „Nomadic Association for Peace and Development“ (NAPAD) leistet die Bündnis-Organisation Wasser- und Nahrungsmittelhilfe und unterstützt so jene Menschen, die aufgrund von Dürre oder Krieg vom Hungertod bedroht sind. Im Fokus steht dabei die Region Gedo im Südwesten des Landes.

In Kenia sind vor allem Gemeinden im Osten, in den Landesteilen „Garissa“ und „Tana River“ auf Nothilfe angewiesen. Zusammen mit der kenianischen Gesundheitsorganisation Kaplet verteilt medico international dort Nahrungsmittel und achtet darauf, jene Teile der Bevölkerung zu erreichen, die bisher von der Notversorgung abgeschnitten waren.

terre des hommes

In Simbabwe ist terre des hommes bereits seit knapp einem Jahr in der akuten Nothilfe aktiv. Bisher konnten in Kooperation mit den lokalen Partnern Maso, MDTC und Caclaz über 6.000 unter 5-Jährige mit Ernährungsprogrammen erreicht werden, sowie knapp 300 schwangere und stillende Mütter mit zusätzlicher Nahrung versorgt werden. Um Gewalt, Misshandlung, Kinderarbeit und Kinderhandel entgegen zu wirken, engagiert sich terre des hommes mit seinen lokalen Partnern hauptsächlich in Projekten zum Kindesschutz. Darüber hinaus werden Gemeinschaftsgärten insbesondere zur Verbesserung der Ernährungssituation von Kindern aufgebaut.

In Kenia werden im Grenzgebiet zu Somalia 450 Haushalte (2.700 Menschen, darunter 1.485 Kinder) mit Wasser und Lebensmitteln für die nächsten 1-2 Monate versorgt, um die Zeit bis zur nächsten erwarteten Regenzeit zu überstehen. terre des hommes arbeitet hier mit dem lokalen Partner NAPAD, der sich eng mit den Nothilfemaßnahmen der Regierung koordiniert. terre des hommes stellt dafür 55.000 Euro zur Verfügung.

Welthungerhilfe

Die Welthungerhilfe ist in mehreren Ländern Ostafrikas aktiv, unter anderem in Äthiopien, Kenia, Somaliland und dem Südsudan.

In Äthiopien befasst sich die Bündnis-Organisation vor allem mit Wassermanagement, der Vermittlung von Wissen über Anbaumethoden und Viehhaltung sowie mit der Verbesserung von Hygienemaßnahmen. In Kenia wird daran gearbeitet, die Bevölkerung mit Nahrung und Lebensmitteln zu versorgen und den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern, insbesondere Cholera. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern durchgeführt. Insgesamt kommt die Unterstützung in Äthiopien und Kenia mehr als 800.000 Menschen zugute.

In Somaliland, wo vor allem Binnenflüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, unterstützt die Welthungerhilfe gegenwärtig etwa 35.000 Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln. Auch 12.000 Nutztiere werden veterinärmedizinisch versorgt.

Um die Soforthilfemaßnahmen gegen den Hunger-Notstand auszuweiten, bittet das Bündnis Entwicklung Hilft dringend um Unterstützung:

IBAN: DE29 100 20 5000 100 20 5000, Stichwort: Hungerkrisen

Das DZI Spenden-Siegel bestätigt unsere Zuverlässigkeit. Alle Bündnismitglieder und auch das Bündnis selbst sind mit dem Spenden-Siegel ausgezeichnet. Über unsere Hilfe berichten wir transparent und zeitnah.

Aktualisierte Fassung der Meldung vom 17.03.2017